zentral

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungzen-tral · zent-ral
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›zentral‹ als Erstglied: ↗Zentralafrika · ↗Zentralamerika · ↗Zentralasien · ↗Zentralausschuss · ↗Zentralbank · ↗Zentralbereich · ↗Zentralbewegung · ↗Zentraleuropa · ↗Zentralflughafen · ↗Zentralgestirn · ↗Zentralgewalt · ↗Zentralheizung · ↗Zentralkomitee · ↗Zentralkommando · ↗Zentralmarkthalle · ↗Zentralnervensystem · ↗Zentralorgan · ↗Zentralperspektive · ↗Zentralrat · ↗Zentralraum · ↗Zentralschlüssel · ↗Zentralstaat · ↗Zentralstelle · ↗Zentralverband · ↗Zentralverriegelung · ↗Zentralwerkstatt · ↗zentralbeheizt · ↗zentralgesteuert · ↗zentralisieren
 ·  mit ›zentral‹ als Letztglied: ↗dezentral
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
im Zentrum liegend
Gegenwort zu peripher
a)
Beispiele:
das Hotel, Geschäft, seine Wohnung ist zentral gelegen
ein Zimmer in zentraler Lage gesucht
b)
im Mittelpunkt stehend
Beispiele:
N ist die zentrale Figur in diesem Theaterstück, in diesem Streit
etw. steht an zentraler Stelle
c)
wegen seiner Wichtigkeit und Bedeutung an erster, vorderer Stelle stehend, entscheidend, wesentlich
Beispiele:
die Energieversorgung ist ein zentrales Problem
zentrale Forschungsaufgaben
ein zentrales Vorhaben
eine zentrale Frage
etw. hat zentrale (= vorrangige) Bedeutung
das zentrale Nervensystem (= Zentralnervensystem)
2.
von einer leitenden Stelle, Zentrale ausgehend und für den zugehörigen Bereich geltend, wirksam
Beispiele:
eine zentrale Lenkung, Planung, Regelung, Warenversorgung, Beheizung
zentrale Anweisungen
eine zentral geleitete Industrie
etw. zentral gestalten, verwalten
die leitende Funktion für den gesamten Bereich innehabend, ausübend
Beispiele:
zentrale Staatsorgane
ein zentraler (Arbeits)ausschuss
3.
an einer Stelle als dem Mittelpunkt zusammenlaufend, gesammelt
Beispiel:
etw. zentral erfassen, zusammenfassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zentrum · zentral · Zentrale · zentralisieren · Zentralisation · Zentralismus · Zentrifugalkraft · zentrifugal · Zentripetalkraft · zentripetal · Zentrifuge
Zentrum n. ‘Mittelpunkt, Mitte’, mhd. zentrum, spätmhd. (vereinzelt) auch zenter ‘Mittelpunkt’, Übernahme von lat. centrum ‘fester Schenkel des Zirkels, um den sich der andere dreht’ (daher eigentlich ‘Stachel’), ‘Mittelpunkt des Kreises’, griech. kéntron (κέντρον) ‘Stachel(stab), Spitze (eines Zirkelschenkels), Ort, wo man einen Schenkel des Zirkels einsetzt, Mittelpunkt (eines Kreises, einer Fläche, eines Körpers)’; vgl. griech. kenté͞in (κεντεῖν) ‘stechen’. Zufrühst in der Bedeutung ‘Kreismittelpunkt’, dann ‘Mitte, Mittelpunkt’ von geographischen oder topographischen Lagebestimmungen (vgl. auss dem Centro der erden, 16. Jh.), speziell ‘Stadtmitte, -kern, Innenstadt’ (Anfang 20. Jh.); übertragen ‘zentrale Stelle als Ausgangs- und Zielpunkt von Vorgängen und Entwicklungen, zentrale Einrichtung’ (2. Hälfte 16. Jh.). Bis ins 19. Jh. in lat. Schreibung und Flexion. zentral Adj. ‘in der Mitte liegend, den Mittelpunkt bildend’, zunächst nur als erstes Glied in Zusammensetzungen, vgl. Centralwesen (2. Hälfte 17. Jh.), -winckel (1. Hälfte 18. Jh.), -kraft, -position (2. Hälfte 18. Jh.), im Sinne von ‘Haupt-’, d. h. politisch bzw. bürokratisch ‘übergeordnet, leitend’, vgl. Centraloberbehörde (Anfang 19. Jh.), -nervensystem (2. Hälfte 19. Jh.), ‘wichtig, entscheidend, bedeutend’, vgl. Centralbegriff (Ende 19. Jh.), Zentralfigur (um 1900). Der Gebrauch als attributives Adjektiv bzw. als Adverb setzt in der Mitte des 19. Jhs. ein; doch vgl. älteres zentralisch (seit 17. Jh.). Zugrunde liegt lat. centrālis ‘in der Mitte befindlich’ (vgl. auch frz. central). Vom Adjektiv abgeleitet Zentrale f. ‘Stelle, von der aus etw. verwaltet, geleitet, gesteuert wird’ (2. Hälfte 19. Jh.). zentralisieren Vb. ‘(Verwaltungsfunktionen) organisatorisch zusammenfassen, einer einheitlichen Leitung unterstellen’, Zentralisation f. ‘Zusammenfassung, organisatorisch zusammengefaßte bzw. zusammenfassende Leitung’ (beide Anfang 19. Jh.), in der Folge der Verwaltungsreformen Napoleons entlehnt aus den gleichbed. (1794 geprägten) Ausdrücken frz. centraliser und centralisation. Zentralismus m. ‘Streben nach Einheitlichkeit, nach zentraler Lenkung, straff organisierte Verwaltung’ (2. Hälfte 19. Jh.; vgl. wenig älteres engl. centralism). Zentrifugalkraft f. bei Drehbewegungen auftretende, vom Zentrum weg, nach außen gerichtete Kraft, ‘Fliehkraft’ (Mitte 18. Jh.), nach engl. centrifugal force für nlat. vis centrifuga (Newton 1687); vgl. lat. centrum (s. oben) und lat. fugere ‘fliehen’. Daraus rückgebildet (im Hinblick auf das engl. Vorbild) zentrifugal Adj. ‘vom Mittelpunkt wegstrebend, auf der Wirkung der Zentrifugalkraft beruhend’ (2. Hälfte 19. Jh.). Entsprechend die Antonyme Zentripetalkraft f. ‘zum Zentrum hin, nach innen gerichtete Kraft’ (2. Hälfte 18. Jh.), nach engl. centripetal force für nlat. vis centripeta (Newton 1687), vgl. lat. petere ‘zu erreichen suchen, streben’, und zentripetal Adj. ‘zum Mittelpunkt hinstrebend, auf der Wirkung der Zentripetalkraft beruhend’ (19. Jh.). Zentrifuge f. Schleudergerät zum Trennen von Stoffen unterschiedlicher Dichte durch Zentrifugalkraft, ‘Trennschleuder’ (2. Hälfte 19. Jh.), vgl. etwa gleichzeitig auftretendes frz. centrifuge.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) hohen Stellenwert genießen · (einen) hohen Stellenwert haben · Bedeutung haben · ankommen auf (es) · ↗bedeutend · ↗bedeutsam · ↗entscheidend · ↗erheblich · ↗gewichtig · ↗groß · ins Gewicht fallen(d) · keine Kleinigkeit (sein) · ↗maßgeblich · nicht zu unterschätzen · nicht zu vernachlässigen (sein) · ↗relevant · von Belang · von Gewicht · von Relevanz · von großer Bedeutung · von großer Wichtigkeit · ↗wesentlich · zentral · ↗zählen  ●  Gewicht haben  fig. · großgeschrieben werden  fig. · hoch im Kurs stehen  fig. · von Bedeutung  Hauptform · ↗wichtig (sein)  Hauptform
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
im Zentrum · in der Mitte · zentral  ●  ↗mittig  fachspr.
Assoziationen
Antonyme
  • zentral
Synonymgruppe
an einer Stelle · gebündelt · gesammelt · zentral
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anlaufstelle Anliegen Aufgabe Bedeutung Begriff Bestandteil Datenbank Element Ermittlungsstelle Festplatz Figur Forderung Frage Gedenkstätte Kreditausschuß Kundgebung Lage Mittelfeld Motiv Nervensystem Planung Punkt Rolle Stelle Steuerung Thema These Vermarktung Wahlkommission gelegen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zentral‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genau das war aber eines der zentralen Argumente auch Ihres Landes gegen die Reform.
Die Zeit, 12.02.2007, Nr. 07
Die Zerstörung des Interesses, des jugendlichen Willens, der Treue zu sich selbst, das ist zentral genug getroffen, das reicht schon aus, um abzutöten.
Strauß, Botho: Der junge Mann, München: Hanser 1984, S. 190
Damals waren mir die Aufzeichnungen über die Zentrale Planung nicht erhältlich.
o. A.: Einhundertdreiundvierzigster Tag. Freitag, 31. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 30375
Das interessierte die Zentrale Planung gar nicht, denn der Zentralen Planung wurden nur allgemeine Zahlen angegeben.
o. A.: Neunundsiebzigster Tag. Dienstag, 12. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1485
Selbst im zentralen Stadtbereich war die Silhouette nicht besonders hoch.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 25
Zitationshilfe
„zentral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zentral>, abgerufen am 13.12.2019.

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