zeremoniell

Grammatik Adjektiv · Komparativ: zeremonieller · Superlativ: am zeremoniellsten, Steigerung selten
Aussprache [ʦeʀemo'ni̯ɛl]
Worttrennung ze-re-mo-ni-ell
Wortzerlegung Zeremonie -ell
Wortbildung  mit ›zeremoniell‹ als Grundform: Zeremoniell
Herkunft aus gleichbedeutend cérémonielfrz, Nebenform von cérémonialfrz ‘kultische, feierliche Handlungen betreffend, zu ihnen gehörend’
eWDG

Bedeutung

allzu feierlich, in der Art einer Zeremonie, förmlich, steif
Beispiele:
ein zeremonieller Empfang
er verneigte sich zeremoniell
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeremonie · Zeremoniell · zeremoniell · ceremonialisch
Zeremonie f. ‘sich nach bestimmten Regeln vollziehende, feierliche Handlung’, spätmhd. cerimonie, entlehnt aus spätlat. cēremōnia, lat. caerimōnia, caeremōnia ‘heilige Verehrung, Ehrfurcht, heilige Scheu, religiös-feierliche Haltung, feierlich-religiöser Brauch, Feierlichkeit’ (dem Lat. folgend noch heute die volkssprachliche Betonung Zeremónǐe). Der häufig im Plur. gebrauchte Ausdruck bezeichnet zunächst eine im kirchlichen Bereich ‘nach bestimmten Regeln festgelegte feierliche Handlung (mit symbolischem Charakter)’, nach der Reformation von der protestantischen Partei im Sinne von ‘äußerliche (daher überflüssige) pompöse rituelle Handlung, Schaugepränge’ auf den katholischen Ritus bezogen (der Papisten Ceremonien, 1585). Danach verallgemeinert sich die Bedeutung unter dem Einfluß von afrz. mfrz. cerimonie, frz. cérémonie, das diesen weiteren Sinn schon früher entwickelt hat, (nunmehr meist mit dem Frz. entsprechender Endbetonung) zu ‘feierliche, in bestimmter Ordnung ablaufende Veranstaltung’, z. B. Krönungsfeierlichkeit, Veranstaltungen bei Hofe (Ende 16. Jh.), auch ‘Etikette’ (besonders bezogen auf Umgangsformen mit Fürstlichkeiten und hochrangigen Personen). Im Anschluß daran wird der Ausdruck erneut vielfach abschätzig gebraucht für ‘steife Förmlichkeit, gezierte Geste’. Zeremoniell n. ‘Gesamtheit der einzuhaltenden Vorschriften bei feierlichen Anlässen, Etikette bei Hofe u. dgl.’ (Ende 17. Jh.) stellt sich mit Suffixwechsel (in Anlehnung an frz. cérémoniel Adj., eine im Mfrz. gebildete, seit dem 18. Jh. kaum noch gebräuchliche Parallelform des unmittelbar dem Lat. folgenden frz. cérémonial Adj., s. unten) neben nur wenig älteres gleichbed. Ceremonial, auch Ceremoniale. Dieses ist eine Entlehnung von gleichbed. frz. cérémonial, einer Substantivierung des Adjektivs frz. cérémonial, mfrz. cerimonial ‘kultische, feierliche Handlungen betreffend, zu ihnen gehörend’, nach spätlat. caerimōniālis ‘zur Gottesverehrung gehörig’. Als Bestimmungswort in Zusammensetzungen begegnet ausschließlich Ceremonial-, vgl. Ceremonialdienst, -gesetz, -register, -schreiben (18. Jh.), -besuch, -gesandter (Ende 19. Jh.). Schreibung mit C hält sich bis etwa 1900. Früher bezeugt in dt. Texten ist gelegentlich übernommenes mlat. ceremonialia ‘feierliche Handlungen’ (15. und 16. Jh.), der substantivierte Plur. Neutr. des lat. Adjektivs; dessen Einfluß auf oben genanntes Ceremonial ist nicht auszuschließen. Vgl. die Adjektive zeremoniell (18. Jh., nach frz. cérémoniel, s. oben) und ceremonialisch (15. bis 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ernst · feierlich · festlich · priesterlich · weihevoll · wie ein Priester · zeremoniell
Religion
Synonymgruppe
rituell · zeremoniell

Typische Verbindungen zu ›zeremoniell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zeremoniell‹.

Verwendungsbeispiele für ›zeremoniell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn der Gast ein einfaches Bier verlangt, wird es ebenso zeremoniell serviert werden wie die Flasche französischen Champagners. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 211]
Mit ihnen feiert man das Leben, begrüßt und verabschiedet es zeremoniell, sorgfältig und immer auf Schönheit bedacht. [Die Zeit, 14.05.2007, Nr. 20]
Das zeigt sich unmittelbar am zeremoniellen Charakter der Trauung – auch dann, wenn sie expressis verbis durchgeführt wird. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 101]
Der Strom der Mitteilung wird in einem solchen Ausmaße dogmatisch und zeremoniell, daß die Mitteilung aufhört, Propaganda im eigentlichen Sinne zu sein. [Friedrich, Carl Joachim: Totalitäre Diktatur, Stuttgart: Kohlhammer 1957, S. 151]
Beileidskundgebungen fremder Völker beim Tode eines Staatsmannes sind ein zeremonieller Höflichkeitsakt, der mit den wahren Empfindungen füreinander nicht notwendig etwas zu tun haben muß. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 06.03.1925]
Zitationshilfe
„zeremoniell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zeremoniell>.

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