zerstreuen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzer-streu-en (computergeneriert)
Grundformstreuen
Wortbildung mit ›zerstreuen‹ als Erstglied: ↗Zerstreuung  ·  mit ›zerstreuen‹ als Grundform: ↗zerstreut
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. streuend verteilen
Beispiele:
Heu zum Trocknen zerstreuen
Asche in alle Winde zerstreuen
der Herbstwind hat die Blätter zerstreut
bildlich
Beispiele:
seine ehemaligen Mitschüler waren nun in alle Welt zerstreut
Insekten dieser Art sind über die ganze Welt zerstreut (= verbreitet)
die Bauernhäuser lagen zerstreut (= vereinzelt, hier und da anzutreffen) in der Hochebene
die Polizei zerstreute die neugierige Menge (= die Polizei sorgte dafür, dass die Menschen auseinandergingen)
Optik das Licht wird durch die Staubteilchen in der Luft zerstreut (= in verschiedene Richtungen gelenkt)
Optik zerstreutes (= diffuses) Licht
Optik eine sammelnde und eine zerstreuende Linse
Menschen zerstreuen sichMenschen gehen auseinander, verlaufen sich
Beispiel:
nach dem Fußballspiel zerstreuten sich die Zuschauer
übertragen
Beispiele:
jmds. Argwohn, Misstrauen, Verdacht, Zweifel, Besorgnisse, Befürchtungen zerstreuen (= beseitigen)
alle Bedenken hatten sich zerstreut (= hatten sich als unbegründet erwiesen)
2.
jmdn. unterhalten, um ihm die Zeit zu vertreiben, ihn abzulenken, zu entspannen
Beispiel:
sie wollte ihn durch ihr Klavierspiel zerstreuen
sich zerstreuen
Beispiel:
sich beim Fernsehen, im Kino, Theater, mit Schachspielen zerstreuen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streuen · Streu · Streusel · zerstreuen · zerstreut · Zerstreuung · Zerstreutheit
streuen Vb. ‘werfend gleichmäßig ausbreiten’, ahd. strewen, strouwen (8. Jh.), mhd. strewen, ströuwen, ströun, strouwen, streun ‘niederstrecken, zu Boden werfen, (aus)streuen, -schütten, vergießen, ausbreiten, zerstreuen, verbreiten, bedecken’, asächs. strōian, streuwian, mnd. ströu(w)en, mnl. strōien, strouwen, nl. strooien, afries. strēwa, aengl. strewian, streowian, engl. to strew, anord. strā (statt *streyja, Neubildung zum schwach gebildeten Prät. strāða), schwed. strö, got. straujan (germ. *straujan) führt mit lat. struere (strūctum) ‘schichten, über-, aneinanderlegen, aufbauen’, struēs ‘Haufen, Menge’ auf ie. *streu-, Erweiterung der Wurzel ie. *ster(ə)-, *strē-, *stru- ‘ausbreiten, (aus)streuen’, wozu (mit Nasalpräsens) aind. stṛṇā́ti ‘streut (hin), bestreut, wirft hin’, stṛṇṓti ‘streckt nieder, unterwirft, besiegt’, griech. stornýnai (στορνύναι) ‘hinbreiten, ausbreiten, ein Bett machen, ebnen, bahnen, ausstreuen, bestreuen’, lat. sternere ‘hinbreiten, streuen, ebnen, bedecken’, air. sernim ‘breite aus’ sowie (ohne Nasal) aslaw. prostrěti, russ. prosterét’ (простереть) ‘ausbreiten, ausdehnen’. Verwandt sind u. a. die unter ↗Strahl, ↗Stirn, ↗streichen, ↗Streifen, ↗Stroh behandelten Wortgruppen. Im Nhd. hat sich aus einer Vielzahl mundartlicher Formen streuen durchgesetzt. Zur Bedeutungsentwicklung von ‘ausbreiten’ zu ‘verteilend auswerfen’ vgl. Pfeifer in: PBB 82 (1960) 132 ff. Streu f. ‘das Hingestreute, Material zum Unterstreuen, Stallstroh’, Abstraktbildung auf ī zum Verb, mhd. ströuwe, strewe, ströu; vgl. ahd. gistrewi, gistrouwi (8. Jh.). Streusel m. n. ‘Klümpchen aus Mehl, Butter und Zucker, auf Kuchen gestreut’ (19. Jh.; dazu Streuselkuchen, ebenfalls 19. Jh.), mundartlich und in der bäuerlichen Umgangssprache gleichbed. mit Streu, Deverbativum mit dem Suffix ↗-sal, ↗-sel (s. d.); vgl. mnd. strouwelse. zerstreuen Vb. ‘auseinanderstreuen, -jagen’, mhd. zerströuwen, -ströun. Übertragener Gebrauch der Mystik daʒ gemüet, herze zerströuwen ‘die Seele von der Gemeinschaft mit Gott ablenken’ geht im 15. Jh. auf Störungen des seelischen Gleichgewichts über, wird jedoch in mystisch-religiösem Sinne vom Pietismus übernommen. Zu Anfang des 18. Jhs. entwickelt sich daraus jmdn., sich zerstreuen ‘ablenken, vergnügen’, beeinflußt von zerstreut Part.adj. (15. Jh.), das Anfang des 18. Jhs., wohl in Anlehnung an frz. distrait, die Bedeutung ‘unaufmerksam, durch fremde Eindrücke abgelenkt, unkonzentriert’ annimmt. Zerstreuung f. ‘Ablenkung, Vergnügen, Zeitvertreib’ (18. Jh.), zuvor ‘das Auseinanderwerfen, -treiben, Auflösen’, spätmhd. zerströuwunge ‘Uneinigkeit’. Zerstreutheit f. ‘Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit’ (18. Jh.), vereinzelt ‘Abgesondertheit, Isoliertheit’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
isolieren · ↗separieren · ↗trennen · ↗vereinzeln · zerstreuen · ↗zerteilen
Assoziationen
Synonymgruppe
auseinander jagen · auseinander treiben · zerstreuen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden/sich) ablenken · (sich) zerstreuen · auf andere Gedanken bringen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) auflösen (Menschenmenge) · (sich) zerstreuen
Synonymgruppe
auseinander treiben · zerstreuen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Ansammlung Argwohn Asche Auflauf Bedenken Befürchtung Besorgnis Eindruck Einwand Furcht Gerücht Gewölk Himmelsrichtung Menge Menschenmenge Mißtrauen Nebel Selbstzweifel Sicherheitsbedenken Skepsis Sorge Sorgen Tränengas Verdacht Vermutung Vorbehalt Vorurteil Wind Zweifel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zerstreuen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn der willkürliche Akt des Benennens droht die ganze Konzentration des Erzählens zu zerstreuen.
Süddeutsche Zeitung, 01.10.2004
Damit es nicht mehr brennt, muß man wohl alle brennenden Köpfe weithin zerstreuen.
Die Zeit, 10.05.1974, Nr. 20
Nachträglich erkannte er, daß die Mutter gestern alles darangesetzt hatte, ihn zu zerstreuen.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 1044
Darauf zerstreuten sich alle nach allen Richtungen ins tiefe Dunkel.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 344
Um nicht ins Grübeln zu verfallen, suchte ich mich zu zerstreuen.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 1118
Zitationshilfe
„zerstreuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zerstreuen>, abgerufen am 17.10.2019.

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