zetern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungze-tern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zetern‹ als Erstglied: ↗Zetergeschrei · ↗Zetermordio
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend wehklagend schreien
Beispiele:
sie weinten und zeterten
»Ich bin in einer Falle!« zeterte der Junge [H. Mann5,426]
laut schimpfen
Beispiele:
die Weiber fingen an, heftig zu zetern
über jmdn. zetern
[er] hört die Alte zeternd und keifend durch die Stube ... watscheln [E. ClaudiusGrüne Oliven159]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zetern · zeter · Gezeter
zetern Vb. ‘wehklagend schreien’ (18. Jh.), ‘keifend schimpfen’ (19. Jh.), abgeleitet von zeter Interjektion mhd. zēter, zēther, auch (unter Einfluß von zittern?) zetter, ursprünglich (2. Hälfte 13. Jh.) Not- und Hilferuf eines Angegriffenen bei Mordversuch, Raub, Diebstahl, Vergewaltigung, der die Mitbürger zur Hilfe und zur Verfolgung des Täters verpflichtet; dann Anklageruf zu Beginn der Gerichtsverhandlung, der vom Kläger dreimal erhoben wird (um 1300, vgl. Zeter schreien, um 1400), woraus sich ein allgemeiner Klageruf entwickelt. Die ursprünglich omd. Interjektion breitet sich im 16. Jh. ins Obd., Anfang des 17. Jhs. ins Nd. aus; vgl. ähnliche Not- und Hilferufe wie mhd. (frk. obd.) wāfen(ā), jüngeres alem.-rhein. mordio (15. Jh.) und mnd. tiōdūte, tō jōdūt(e), jōdūte. Die Etymologie ist umstritten. Nach Törnquist in: Studia Neophilologica 11 (1938/39) 318 ff. entstanden aus (mhd.) ze æhte her ‘zur Verfolgung her’ (s. ↗Acht; das ē in zēter wird als md. Wiedergabe von mhd. æ in æhte gedeutet). Dagegen führt Hammerich Clamor (1941) 170 ff. mhd. zēter und mnd. tiōdūte auf *zi-jōthera ‘zum Kampf her’ bzw. *ti-jōd-ūta ‘zum Kampf heraus’ zurück, Bildungen zu germ. *jauð- (ahd. *jōt, mnd. *jōd) ‘Kampf’, das er mit aind. yúdh- ‘Kampf’, yúdhyatē ‘(be)kämpft’, lat. iubēre ‘befehlen’, lit. judė́ti ‘sich bewegen, sich regen, sich rühren’ an die Wurzel ie. *i̯eudh- ‘in heftiger Bewegung sein, kämpfen’ anschließt. Gezeter, älter auch Gezetter n. ‘lautes Geschrei, Wehklagen, Schimpfen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Geschrei erheben · Krawall machen · Randale machen · Unmut äußern · Zorn äußern · ein großes Palaver veranstalten · ↗fluchen · ↗geifern · ↗herumschreien · ↗keifen · lautstark protestieren · nicht zu beruhigen sein · ↗poltern · ↗schimpfen · zetern  ●  (die) Welle machen  ugs. · (eine) Szene machen  ugs. · (einen) (mächtigen) Wirbel veranstalten  ugs. · (einen) Riesenaufstand machen  ugs. · (einen) Zwergenaufstand veranstalten  ugs. · (he)rumpalavern  ugs. · (mächtig) auf den Putz hauen  ugs. · fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · ↗motzen  ugs. · rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Fischweib  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · ↗schnauzen  ugs. · ↗wettern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitgeber Kritiker Krähe brüllen da fluchen greinen herumzetern heulen jammern keifen klagen kreischen laut los schimpfen schreien streiten ständig toben weinen weiter wettern zanken zerren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zetern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ginge nicht an, so zetern die trutzigen Helden, immer wieder das eigene Nest zu beschmutzen.
Die Zeit, 27.11.1964, Nr. 48
Statt goldene Bären sieht man schwarze Affen auf einem kargen Planeten, sie spielen, sie zetern, sie sitzen da und schauen.
Süddeutsche Zeitung, 20.02.2001
Jetzt fing dein Vater an, sich die Haare zu raufen, zu heulen und zu zetern.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 249
Man grüßt den Beamten oder Angestellten höflich, schreit ihn nicht an und zetert nicht über ihn.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 193
Hermine zeterte und klagte ständig, wollte bald dieses, bald jenes, hatte täglich ausgefallenere Wünsche.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 273
Zitationshilfe
„zetern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zetern>, abgerufen am 22.01.2019.

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