zeugen

Grammatik Verb · zeugt, zeugte, hat gezeugt
Aussprache  [ˈʦɔɪ̯gn̩]
Worttrennung zeu-gen
Wortbildung  mit ›zeugen‹ als Erstglied: Zeuger · Zeugung  ·  mit ›zeugen‹ als Letztglied: fortzeugen
eWDG und ZDL

Bedeutung

jmd. zeugt jmdn. (mit jmdm.)durch den Geschlechtsakt Nachkommen schaffen (1); als Mann durch den Geschlechtsakt mit einer Frau Nachkommen hervorbringen (2 a); durch (künstliche) Befruchtung der weiblichen Eizelle mit einer männlichen Samenzelle den Beginn einer Schwangerschaft einleiten und dadurch Nachkommen hervorbringen (2 a)
Beispiele:
er hat (mit ihr) eine Tochter, einen Sohn gezeugtWDG
die Eltern zeugten drei KinderWDG
Dreiunddreißigjährig heiratete er [der Komponist Georg Philipp Telemann] hier [in Frankfurt am Main] eine Sechzehnjährige und zeugte mit ihr in sieben Jahren sechs Kinder. [Süddeutsche Zeitung, 24.06.2021]
Karl der Große hatte 18 Kinder mit fünf Ehefrauen, zeugte weitere Kinder mit mehreren Geliebten[.] [Bild, 18.09.2020]
Vor vierzig Jahren gruselte man sich vor »Retortenbabys«, heute ist künstliche Befruchtung Kassenleistung, acht Millionen Kinder wurden im Labor gezeugt. [Welt am Sonntag, 17.11.2019]
1972 ließ sich der »Ötscherbär« in Niederösterreich nieder, der knapp 20 Jahre später mit einer zu diesem Zweck aus Kroatien importierten Bärin drei Junge zeugte. [Der Standard, 18.06.2016]
Arion ist ein Wunderpferd aus der griechischen Mythologie, das von den Göttern Poseidon und Demeter in Pferdegestalt gezeugt wurde. [Der Standard, 23.11.2009]
Seinen heute dreijährigen ersten Sohn Brooklyn hatte das Paar nach dem New Yorker Stadtteil benannt, in dem er gezeugt wurde. [Der Standard, 02.09.2002]
Weltweit wurden inzwischen über 300.000 Kinder mit Hilfe der künstlichen Befruchtung gezeugt. [die tageszeitung, 25.07.1998]
gehoben, übertragen etw. zeugt etw.durch eine Handlung, Verhaltensweise eine entsprechende Gegenreaktion zur Folge haben, hervorrufen (2)
Beispiele:
Dominik meinte, Schuld zeuge Schuld […] [ G. Hauptm.Quint1,375]WDG
Ein Verbrechen zeugte nur das nächste. [Bild, 23.06.2014]
Gewalt zeugt Gegengewalt. [Süddeutsche Zeitung, 12.12.2009]
Hass zeugt nur Hass. [Der Standard, 25.07.2005]
Streit und Ohnmacht zeugen bloß Zynismus[…]. [Süddeutsche Zeitung, 07.08.1993]

letzte Änderung:

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zeugen1 · Zeugung · erzeugen · Erzeuger · Erzeugnis
zeugen1 Vb. ‘herstellen, hervorbringen’ (heute selten), ‘ein Lebewesen entstehen lassen, Kinder hervorbringen’, ahd. giziugōn ‘etw. (als Besitz, Vermögen) nachweisen’, ziugōn ‘zustande bringen’ (um 1000), mhd. ziugen ‘herstellen, (ein Buch) verfassen, anschaffen, ausrüsten, beweisen, Zeugnis ablegen’, mnd. (ge)tǖgen ‘beschaffen, hervorbringen, beweisen, Zeugnis ablegen’, mnl. ghetūghen ‘beschaffen, beweisen, Zeugnis ablegen’, nl. getuigen ‘bezeugen, bekunden’. Das Verb (eigentlich ‘etw. heranschaffen, heranziehen’) ist etymologisch an das unter Zeug (s. d.) behandelte Substantiv anzuschließen. Die alte Bedeutung ‘beschaffen, verfertigen’ tritt im 17. Jh. zurück, hält sich jedoch im Sinne von ‘hervorbringen’ in dichterischer oder gehobener Sprache; allgemein gilt dafür erzeugen (s. unten). Die im Mhd. auftretende Verwendung ‘geschlechtlich hervorbringen’ wird vom 17. Jh. an vorherrschend. In der Rechtssprache übliches zeugen ‘be-, nachweisen, Zeugnis ablegen’ liegt von da an semantisch weit ab und wird als eigenständiges Verb empfunden (s. zeugen2). Zeugung f. ‘Fortpflanzung, Keimlegung für Nachkommenschaft’ (16. Jh.), mhd. ziugunge ‘das Machen, Tun’. erzeugen Vb. ‘hervorbringen, herstellen, produzieren’, mhd. erziugen ‘hervorbringen, machen lassen, die Kosten wovon bestreiten, ausrüsten’; Erzeuger m. ‘Hersteller, Produzent’, Erzeugnis n. ‘das Hervorgebrachte, Produkt’ (beide 18. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›zeugen‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zeugen‹.

Zitationshilfe
„zeugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zeugen#1>, abgerufen am 25.01.2022.

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zeugen

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈʦɔɪ̯gn̩]
Worttrennung zeu-gen
Wortbildung  mit ›zeugen‹ als Erstglied: Zeugnis  ·  mit ›zeugen‹ als Letztglied: bezeugen · überzeugen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ...
    1. [gehoben] ⟨für, gegen jmdn. zeugen⟩ für, gegen jmdn. vor Gericht als Zeuge aussagen
    2. [übertragen] ⟨etw. zeugt für, gegen etw.⟩ etw. spricht für, gegen etw.
  2. 2. ⟨etw. zeugt von etw.⟩ etw. zeigt, beweist etw.
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben für, gegen jmdn. zeugenfür, gegen jmdn. vor Gericht als Zeuge aussagen
Beispiele:
das Arbeitskollektiv zeugte für den Beschuldigten
du selbst willst gegen mich zeugen? [ WiechertErzählungen254]
übertragen etw. zeugt für, gegen etw.etw. spricht für, gegen etw.
Beispiel:
diese neuen Entdeckungen zeugen für, gegen die bisherigen Theorien der Wissenschaftler
2.
etw. zeugt von etw.etw. zeigt, beweist etw.
Beispiel:
diese Arbeit zeugt von großem Können
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zeugen2 · bezeugen · überzeugen · Überzeugung
zeugen2 Vb. ‘Zeugnis ablegen, als Zeuge aussagen’, gleicher Herkunft wie zeugen1 (s. d.), von dem es sich jedoch im 17. Jh. semantisch entfernt. bezeugen Vb. ‘durch Zeugenaussage bestätigen’, mhd. beziugen, auch ‘durch Zeugenaussage überführen’. überzeugen Vb. ‘jmdn. durch Zeugen oder entsprechende Beweismittel zur Anerkennung einer Tatsache oder Meinung bringen’, reflexiv ‘sich durch Nachprüfen Gewißheit verschaffen’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.), mhd. überziugen ‘Zeugnis ablegen gegen jmdn., (mit Zeugen) überführen’; Überzeugung f. ‘feste Meinung, Gewißheit’ (18. Jh.), zuvor ‘Beweisführung’ (17. Jh.), ‘Überführung’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›zeugen‹ (computergeneriert)

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Verwendungsbeispiele für ›zeugen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine sachlich aufgefaßten Plastiken zeugen von einem tiefen Begreifen der neuen sozialen Wirklichkeit.
o. A.: Lexikon der Kunst - L. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 31326
Das zeugt von wenig Vertrauen in meine ärztliche Kunst, in die ärztliche Kunst überhaupt.
Kant, Hermann: Die Aula, Berlin: Rütten & Loening 1965, S. 142
Es sei geradezu unanständig von so etwas zu sprechen, überdies zeuge es von Dummheit.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 79
Bald wird nur noch eine kleine Narbe im Nacken davon zeugen, daß sich hier einmal ein heimtückischer Feind eingenistet hatte.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 17
Aber seine Verse zeugen von einer aufrichtigen Liebe zum armen Manne.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8949
Zitationshilfe
„zeugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zeugen#2>, abgerufen am 25.01.2022.

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