zierlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung zier-lich
Wortbildung  mit ›zierlich‹ als Erstglied: Zierlichkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
von kleiner, feiner Gestalt, Form
Beispiele:
ein zierliches Mädchen
zierliche Hände
eine zierliche Schrift
die Agraffe ist zierlich geformt
sie war klein und zierlich [ NollHolt1,58]
2.
anmutig, graziös
Beispiele:
eine zierliche Bewegung, Verneigung
zierlich schreiten, tanzen
[sie] streckte den Fuß zierlich vor [ Anzengr.1,56]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zier · zier · Zierde · zieren · geziert · verzieren · Verzierung · zierlich · Zierat
Zier f. ‘Schönheit, Schmuck, Zierat’, ahd. zierī (um 800), mhd. zier(e) ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, mnd. tēre, mnl. tiere ‘Art und Weise, Beschaffenheit’ sind feminine Abstraktbildungen (germ. *tērīn-) zu dem in frühnhd. Zeit untergegangenen, im 19./20. Jh. vereinzelt von Dichtern wieder aufgenommenen Adjektiv zier ‘glänzend, prächtig, herrlich’, ahd. zieri (8. Jh.), mhd. zier(e) ‘prächtig, kostbar, herrlich, schön, schmuck’, mnd. untēre ‘unartig, widerwärtig, häßlich’ (germ. *tērja-). Daneben ist ein maskuliner a-Stamm (germ. *tīra-) bezeugt in asächs. aengl. tīr ‘Ruhm, Ehre’, mnd. tēr ‘Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm’, anord. tīrr ‘Glanz, Ruhm, Ehre’. Es handelt sich um Bildungen mit ro-Suffix (ie. *dēiro- bzw. *dīro-) zur Wurzel ie. *dei-, *dei̯ə- ‘hell glänzen, schimmern, scheinen’, wozu sich auch ahd. zeiʒ ‘fein, zart, zierlich’ (9. Jh.), asächs. tēt- ‘froh’ (in Personennamen), anord. teitr ‘froh, lustig’ und toch. A tiri ‘Art und Weise’, aind. dī́dēti ‘strahlt, leuchtet, glänzt’, dyáuḥ ‘Himmel, Tag’ (auch ‘Gottheit’), griech. déato (δέατο) ‘schien’, dḗlos (δῆλος, aus *δέαλος) ‘offenbar, deutlich’ stellen (s. noch Lenz und Zeidler). Zierde f. ‘Verzierung, Zierat, Ausschmückung, Verschönerung, Schmuck’, ahd. zierida (8. Jh.), mhd. zierde ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, Abstraktbildung zum Adjektiv. zieren Vb. ‘verschönern, (aus)schmücken’, ahd. (um 800), mhd. zieren ‘putzen, schmücken, zieren, verherrlichen, rühmen, zur Zierde gereichen’; reflexiv ‘sich verhalten, sich benehmen’ (16. Jh.), ‘sich gegen etw., was man tun möchte, sträuben, sich lange bitten lassen, sich unnatürlich, gekünstelt geben’ (Anfang 18. Jh.); geziert Part.adj. ‘unnatürlich, gespreizt, gekünstelt’ (1. Hälfte 18. Jh.). verzieren Vb. ‘mit Zierat versehen, (aus)schmücken’ (15. Jh.); Verzierung f. (16. Jh.). zierlich Adj. ‘von feiner Gestalt und Form, anmutig, graziös’, mhd. zierlich ‘strahlend, prächtig, herrlich, schön’; vgl. asächs. tīrlīko Adv. ‘in ehrenvoller, schöner Weise’. Zierat m. ‘schmückendes Beiwerk, Verzierung, Zierde, Schmuck’, mhd. zierōt m., gebildet mit dem unter Armut, Einöde, Kleinod (s. d.) angegebenen Suffix zum Adjektiv ahd. zieri, mhd. zier(e) (s. oben), im Genus bis ins 19. Jh. schwankend zwischen Mask. und Fem. Zuweilen fälschlich als Zusammensetzung mit Rat aufgefaßt, daher auch Zierrat geschrieben (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anmutig · edel · elegant · geschmeidig · grazil · graziös · voller Anmut · zart · zierlich  ●  gazellenhaft  selten
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
feingliedrig · schlankgliedrig · von zartem Körperbau · von zierlichem Körperbau · zart (aufwertend) · zart gebaut · zartgliedrig (aufwertend)  ●  zierlich  Hauptform
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›zierlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zierlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›zierlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sicher war sie doch erheblich kleiner als du, eine zierliche Frau vermutlich. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 221]
Es ging vorsichtig, denn der Steig stürzte steil, es setzte einen Huf tastend, sehr zierlich vor den andern. [Gaiser, Gerd: Schlußball, München: Hanser 1958 [1958], S. 75]
Wie haben Sie denn heute Nacht in Ihrem zierlichen Bette geschlafen? [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 290]
Das Wort Routine paßt gar nicht zu dieser zierlichen Frau, bei der kaum einer umhinkann, sie gleich sympathisch zu finden. [Die Zeit, 16.04.1998, Nr. 17]
Ihr Mann ist ansteckend, sie, eine zierliche Person mit dunkler Haut, kommt nicht davon los. [Die Zeit, 04.10.2004, Nr. 40]
Zitationshilfe
„zierlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zierlich>.

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