zierlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungzier-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zierlich‹ als Erstglied: ↗Zierlichkeit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
von kleiner, feiner Gestalt, Form
Beispiele:
ein zierliches Mädchen
zierliche Hände
eine zierliche Schrift
die Agraffe ist zierlich geformt
sie war klein und zierlich [NollHolt1,58]
2.
anmutig, graziös
Beispiele:
eine zierliche Bewegung, Verneigung
zierlich schreiten, tanzen
[sie] streckte den Fuß zierlich vor [Anzengr.1,56]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zier · zier · Zierde · zieren · geziert · verzieren · Verzierung · zierlich · Zierat
Zier f. ‘Schönheit, Schmuck, Zierat’, ahd. zierī (um 800), mhd. zier(e) ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, mnd. tēre, mnl. tiere ‘Art und Weise, Beschaffenheit’ sind feminine Abstraktbildungen (germ. *tērīn-) zu dem in frühnhd. Zeit untergegangenen, im 19./20. Jh. vereinzelt von Dichtern wieder aufgenommenen Adjektiv zier ‘glänzend, prächtig, herrlich’, ahd. zieri (8. Jh.), mhd. zier(e) ‘prächtig, kostbar, herrlich, schön, schmuck’, mnd. untēre ‘unartig, widerwärtig, häßlich’ (germ. *tērja-). Daneben ist ein maskuliner a-Stamm (germ. *tīra-) bezeugt in asächs. aengl. tīr ‘Ruhm, Ehre’, mnd. tēr ‘Beschaffenheit, Gedeihen, Glanz, Ruhm’, anord. tīrr ‘Glanz, Ruhm, Ehre’. Es handelt sich um Bildungen mit ro-Suffix (ie. *dēiro- bzw. *dīro-) zur Wurzel ie. *dei-, *dei̯ə- ‘hell glänzen, schimmern, scheinen’, wozu sich auch ahd. zeiʒ ‘fein, zart, zierlich’ (9. Jh.), asächs. tēt- ‘froh’ (in Personennamen), anord. teitr ‘froh, lustig’ und toch. A tiri ‘Art und Weise’, aind. dī́dēti ‘strahlt, leuchtet, glänzt’, dyáuḥ ‘Himmel, Tag’ (auch ‘Gottheit’), griech. déato (δέατο) ‘schien’, dḗlos (δῆλος, aus *δέαλος) ‘offenbar, deutlich’ stellen (s. noch ↗Lenz und ↗Zeidler). Zierde f. ‘Verzierung, Zierat, Ausschmückung, Verschönerung, Schmuck’, ahd. zierida (8. Jh.), mhd. zierde ‘Schmuck, Schönheit, Pracht, Herrlichkeit’, Abstraktbildung zum Adjektiv. zieren Vb. ‘verschönern, (aus)schmücken’, ahd. (um 800), mhd. zieren ‘putzen, schmücken, zieren, verherrlichen, rühmen, zur Zierde gereichen’; reflexiv ‘sich verhalten, sich benehmen’ (16. Jh.), ‘sich gegen etw., was man tun möchte, sträuben, sich lange bitten lassen, sich unnatürlich, gekünstelt geben’ (Anfang 18. Jh.); geziert Part.adj. ‘unnatürlich, gespreizt, gekünstelt’ (1. Hälfte 18. Jh.). verzieren Vb. ‘mit Zierat versehen, (aus)schmücken’ (15. Jh.); Verzierung f. (16. Jh.). zierlich Adj. ‘von feiner Gestalt und Form, anmutig, graziös’, mhd. zierlich ‘strahlend, prächtig, herrlich, schön’; vgl. asächs. tīrlīko Adv. ‘in ehrenvoller, schöner Weise’. Zierat m. ‘schmückendes Beiwerk, Verzierung, Zierde, Schmuck’, mhd. zierōt m., gebildet mit dem unter ↗Armut, ↗Einöde, ↗Kleinod (s. d.) angegebenen Suffix zum Adjektiv ahd. zieri, mhd. zier(e) (s. oben), im Genus bis ins 19. Jh. schwankend zwischen Mask. und Fem. Zuweilen fälschlich als Zusammensetzung mit Rat aufgefaßt, daher auch Zierrat geschrieben (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anmutig · ↗edel · ↗elegant · ↗geschmeidig · ↗grazil · ↗graziös · voller Anmut · ↗zart · zierlich  ●  ↗gazellenhaft  selten
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
feingliedrig · ↗schlankgliedrig · von zartem Körperbau · von zierlichem Körperbau · ↗zart (aufwertend) · zart gebaut · ↗zartgliedrig (aufwertend)  ●  zierlich  Hauptform
Assoziationen
Antonyme
  • dick  Hauptform · ↗stämmig  ●  zierlich  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asiatin Blonde Blondine Brünette Chinesin Dame Dunkelhaarige Erker Französin Frau Geschöpf Gestalt Greisin Japanerin Körperbau Minarett Sandalette Schweizerin Statur Sängerin Tänzerin Wuchs blond drahtig dunkelhaarig mädchenhaft schlank schwarzhaarig wirkend zerbrechlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zierlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sicher war sie doch erheblich kleiner als du, eine zierliche Frau vermutlich.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 221
Für den Täter wäre es kein Problem gewesen, die zierliche Frau wegzustoßen.
Die Welt, 21.01.2005
Diese zierliche Frau hat mich früher angeschrien, wenn ich mittags nicht schlafen wollte.
Der Tagesspiegel, 16.10.2002
Es ging vorsichtig, denn der Steig stürzte steil, es setzte einen Huf tastend, sehr zierlich vor den andern.
Gaiser, Gerd: Schlußball, München: Hanser 1958 [1958], S. 75
Aber sie muß gelernt haben, sich wenigstens einigermaßen zierlich in Versen auszudrücken.
Klabund: Der Kreidekreis. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 15006
Zitationshilfe
„zierlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zierlich>, abgerufen am 17.08.2019.

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