zivil

GrammatikAdjektiv · häufig attributiv
Aussprache
Worttrennungzi-vil
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›zivil‹ als Erstglied: ↗Zivilangestellte · ↗Zivilanzug · ↗Zivilbeamte · ↗Zivilberuf · ↗Zivilbeschädigte · ↗Zivilbeschäftigte · ↗Zivilbevölkerung · ↗Zivilcourage · ↗Zivilehe · ↗Zivilflughafen · ↗Zivilflugzeug · ↗Zivilgericht · ↗Zivilgerichtsbarkeit · ↗Zivilgesetzbuch · ↗Zivilingenieur · ↗Zivilkammer · ↗Zivilklage · ↗Zivilkleid · ↗Zivilkleidung · ↗Zivilleben · ↗Zivilperson · ↗Zivilprozess · ↗Zivilrecht · ↗Zivilrichter · ↗Zivilsache · ↗Zivilschutz · ↗Zivilsenat · ↗Zivilverfahren · ↗Zivilverteidigung · ↗zivilisieren · ↗zivilprozessual
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
nicht militärisch
Beispiele:
die zivile (= nicht Militärzwecken dienende) Luftflotte, Luftfahrt
ein Flugplatz für den zivilen (= öffentlichen) Luftverkehr
der bisher für den zivilen Sektor bedeutungslose Hafen ist jetzt der größte Umschlagshafen des Landes
diese Forschungen dienen rein zivilen Zwecken
der Hauptmann war im zivilen Leben (= außerhalb seines Militärdienstes) Bauingenieur
Die gesamte zivile und militärische Gewalt lag in den Händen des Arbeiter- und Soldatenrates [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung6,89]
Wir haben eben dieses langweilige zivile Leben satt [NollHolt1,91]
Solch ziviler Mut (= solche Zivilcourage), meinte er, sei seltener als militärischer [Feuchtw.Narrenweisheit47]
privat, nicht beruflich
Beispiel:
Die Schauspieler ... haben dann im zivilen Leben das Bedürfnis, sich zu geben, wie sie wirklich sind [MühsamNamen180]
2.
Jura den Staatsbürger betreffend
Beispiele:
das zivile Recht (= Zivilrecht)
ein ziviler Prozess (= Zivilprozess)
1787 [konnte] eine Anerkennung der zivilen (= standesamtlichen) Trauung für Protestanten durchgesetzt werden [Dt. Literaturzeitg.1963]
3.
den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechend, gesittet, höflich
Beispiele:
wenn Sie auch diese Uniform tragen: Sie sind ein ziviler Mensch [FalladaBauern116]
Hab mich immer zivil und korrekt benommen [U. BecherFeuerwasserIII]
scherzhaft angemessen, gemäß
Beispiele:
zivile Preise
Zu ziviler Zeit, gegen 9 Uhr morgens, erklang das rettende Tuten wieder [VictorSchriften3,270]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zivil · Zivil · Zivilist1 · Zivilist2 · zivilisieren · zivilisiert · Zivilisation · zivilisatorisch
zivil Adj. ‘nach den gesellschaftlichen Normen handelnd und auftretend, gesittet, zivilisiert’ (17. Jh.), in der Kaufmannssprache ‘angemessen, annehmbar, nicht überhöht’, vgl. einen civilen Preiß (2. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus lat. cīvīlis ‘den Bürger betreffend, bürgerlich, voll Bürgersinn, gemeinnützig, leutselig, populär, höflich, den Staats-, Zivildienst betreffend, öffentlich’; zu lat. cīvis ‘Bürger, Mitbürger’, ursprünglich ‘Haus-, Gemeindegenosse’. Früher bezeugt ist civilisch (16. Jh.) ‘den Staatsbürger, das öffentlich-politische Gemeinwesen, die Rechtsfähigkeit des Bürgers betreffend, privatrechtlich’ und (17. Jh.) ‘außerhalb des Militärs stehend’; in der Komposition gilt dafür (reich bezeugt) Civil-, vgl. (für den bürgerlich-privatrechtlichen Bereich) Civilsache (16. Jh.), -strafe (17. Jh.), -recht, -prozeß (18. Jh.) und (für den nichtmilitärischen Bereich) Civilgebäu (17. Jh.), -stand (18. Jh.), -behörde, -bevölkerung (19. Jh.). Erst spät tritt in diesen Verwendungen zivil als freies Adjektiv auf, und zwar zuerst für ‘nichtmilitärisch’ (Mitte 19. Jh.), dann für ‘bürgerlich-privatrechtlich’ (um 1900). Zivil n. ‘nicht zum Militär gehörender Teil der Bevölkerung, nichtmilitärischer Lebensbereich’ (vgl. Civil oder Militair, Anfang 18. Jh.), ‘nichtmilitärische Kleidung’ im Unterschied zur Uniform (2. Hälfte 19. Jh., besonders in Civil); vgl. Räuberzivil ‘Kleidung, an der man den Offizier bzw. den gesellschaftlichen Stand nicht erkennt’ (2. Hälfte 19. Jh.), jünger ‘bequeme, unangemessene, auch abgerissene Kleidung’. Zivilist1 m. ‘Kenner, Lehrer, Student des bürgerlichen Rechts, des Zivilrechts’, entlehnt (Ende 17. Jh.) aus gleichbed. mlat. civilista. Zivilist2 m. ‘wer nicht den Streitkräften angehört, wer keine Uniform trägt’ (Ende 18. Jh.), abgeleitet von zivil (s. oben). zivilisieren Vb. ‘urgesellschaftliche Zustände überwinden, technischen Fortschritt, moderne Lebensformen einführen’ (Anfang 18. Jh.), ‘mit technischen Hilfsmitteln urbar machen, kultivieren’ (1. Hälfte 20. Jh.), rückgebildet (wohl in Anlehnung an gleichbed. mfrz. frz. civiliser) aus zivilisiert Part.adj. ‘Zivilisation besitzend, fortgeschritten, entwickelt, gesittet, gebildet’ (2. Hälfte 17. Jh., entsprechend unzivilisiert), aus gleichbed. mfrz. frz. civilisé. Zivilisation f. ‘mit der Auflösung der Urgesellschaft beginnender Zeitabschnitt, auf technischem und wissenschaftlichem Fortschritt beruhende Lebensweise, durch Erziehung und Bildung geprägte Lebensart’ (2. Hälfte 18. Jh.), nach frz. civilisation, engl. civilization. zivilisatorisch Adj. ‘die Zivilisation betreffend, sie fördernd, auf ihr beruhend’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
nichtmilitärisch · zivil
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atomprogramm Aufbauhelfer Bereich Ersatzdienst Erwerbsperson Flugverkehr Flugzeug Flugzeugbau Friedensdienst Gesellschaft Gut Helfer Luftfahrt Luftfahrtbehörde Luftverkehr Mitbenutzung Nuklearprogramm Nutzung Opfer Sektor Umgangsform Ungehorsam Verteidigung Verwaltung Wiederaufbau Zweck Zwecke militärisch uniformiert Übergangsverwaltung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zivil‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Später hatte er große Probleme, sich mit diesen Bildern im Kopf wieder einem zivilen Leben anzupassen.
Die Zeit, 15.06.2009, Nr. 24
Ausführlich beschäftigt man sich dort besonders mit den zivilen Opfern.
Der Tagesspiegel, 02.05.2004
In ziviler Form hätte der Übergang zur Zweiten industriellen Revolution nicht mehr stattgefunden.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 439
Alle bekamen anständig bezahlt, denn wir arbeiteten für ein ziviles Unternehmen.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 309
Und endlich - war er selber nicht auch etwas zivil geworden?
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 3
Zitationshilfe
„zivil“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zivil>, abgerufen am 26.08.2019.

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