zivilisatorisch

GrammatikAdjektiv
Worttrennungzi-vi-li-sa-to-risch
HerkunftLatein
eWDG, 1977

Bedeutung

die Zivilisation betreffend
Beispiel:
die zivilisatorische Entwicklung
auf Zivilisation beruhend
Beispiel:
zivilisatorische Schäden, Krankheiten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zivil · Zivil · Zivilist1 · Zivilist2 · zivilisieren · zivilisiert · Zivilisation · zivilisatorisch
zivil Adj. ‘nach den gesellschaftlichen Normen handelnd und auftretend, gesittet, zivilisiert’ (17. Jh.), in der Kaufmannssprache ‘angemessen, annehmbar, nicht überhöht’, vgl. einen civilen Preiß (2. Hälfte 17. Jh.), entlehnt aus lat. cīvīlis ‘den Bürger betreffend, bürgerlich, voll Bürgersinn, gemeinnützig, leutselig, populär, höflich, den Staats-, Zivildienst betreffend, öffentlich’; zu lat. cīvis ‘Bürger, Mitbürger’, ursprünglich ‘Haus-, Gemeindegenosse’. Früher bezeugt ist civilisch (16. Jh.) ‘den Staatsbürger, das öffentlich-politische Gemeinwesen, die Rechtsfähigkeit des Bürgers betreffend, privatrechtlich’ und (17. Jh.) ‘außerhalb des Militärs stehend’; in der Komposition gilt dafür (reich bezeugt) Civil-, vgl. (für den bürgerlich-privatrechtlichen Bereich) Civilsache (16. Jh.), -strafe (17. Jh.), -recht, -prozeß (18. Jh.) und (für den nichtmilitärischen Bereich) Civilgebäu (17. Jh.), -stand (18. Jh.), -behörde, -bevölkerung (19. Jh.). Erst spät tritt in diesen Verwendungen zivil als freies Adjektiv auf, und zwar zuerst für ‘nichtmilitärisch’ (Mitte 19. Jh.), dann für ‘bürgerlich-privatrechtlich’ (um 1900). Zivil n. ‘nicht zum Militär gehörender Teil der Bevölkerung, nichtmilitärischer Lebensbereich’ (vgl. Civil oder Militair, Anfang 18. Jh.), ‘nichtmilitärische Kleidung’ im Unterschied zur Uniform (2. Hälfte 19. Jh., besonders in Civil); vgl. Räuberzivil ‘Kleidung, an der man den Offizier bzw. den gesellschaftlichen Stand nicht erkennt’ (2. Hälfte 19. Jh.), jünger ‘bequeme, unangemessene, auch abgerissene Kleidung’. Zivilist1 m. ‘Kenner, Lehrer, Student des bürgerlichen Rechts, des Zivilrechts’, entlehnt (Ende 17. Jh.) aus gleichbed. mlat. civilista. Zivilist2 m. ‘wer nicht den Streitkräften angehört, wer keine Uniform trägt’ (Ende 18. Jh.), abgeleitet von zivil (s. oben). zivilisieren Vb. ‘urgesellschaftliche Zustände überwinden, technischen Fortschritt, moderne Lebensformen einführen’ (Anfang 18. Jh.), ‘mit technischen Hilfsmitteln urbar machen, kultivieren’ (1. Hälfte 20. Jh.), rückgebildet (wohl in Anlehnung an gleichbed. mfrz. frz. civiliser) aus zivilisiert Part.adj. ‘Zivilisation besitzend, fortgeschritten, entwickelt, gesittet, gebildet’ (2. Hälfte 17. Jh., entsprechend unzivilisiert), aus gleichbed. mfrz. frz. civilisé. Zivilisation f. ‘mit der Auflösung der Urgesellschaft beginnender Zeitabschnitt, auf technischem und wissenschaftlichem Fortschritt beruhende Lebensweise, durch Erziehung und Bildung geprägte Lebensart’ (2. Hälfte 18. Jh.), nach frz. civilisation, engl. civilization. zivilisatorisch Adj. ‘die Zivilisation betreffend, sie fördernd, auf ihr beruhend’ (1. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›zivilisatorisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Annehmlichkeit Errungenschaft Evolution Firnis Fortschritt Gefälle Großtat Grundregel Grundwert Hemmschwelle Hemmung Hochmut Hülle Mindeststandard Minimum Mission Regression Reif Rückschritt Rückständigkeit Segnung Selbstamputation Standard Transformation Umwälzung Verfeinerung Zwangsvorstellung kulturell zurückgeblieben Überlegenheit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zivilisatorisch‹.

Verwendungsbeispiele für ›zivilisatorisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An unseren zivilisatorischen Standards des Rationalen gemessen, mag das richtig sein.
Der Tagesspiegel, 25.11.2003
Aber der zivilisatorische Druck ist heute viel zu groß, als dass davon ernsthaft die Rede sein könnte.
Die Welt, 25.11.2000
Nun ist Wachstum, bei begrenzten zivilisatorischen Mitteln, nicht unbegrenzt möglich.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 45
Es ist die Antwort auf die zutiefst beängstigende zivilisatorische Erfahrung.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 628
Ihre paradoxe Verflechtung in den zivilisatorischen Prozeß bringt sie in Konflikt mit der eigenen Idee.
Adorno, Theodor W.: Minima Moralia, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 294
Zitationshilfe
„zivilisatorisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zivilisatorisch>, abgerufen am 26.01.2020.

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