Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

zollen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung zol-len
Wortbildung  mit ›zollen‹ als Erstglied: zollbar
eWDG

Bedeutung

gehoben jmdm., einer Sache etw. zollenjmdm., einer Sache etw. erweisen, zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdm. den schuldigen Respekt, uneingeschränkte Hochachtung, Achtung, Verehrung, Anerkennung, seinen Dank, sein (höchstes) Lob, Bewunderung zollen
die Zuschauer hatten den Künstlern stürmischen Beifall, Applaus gezollt
so zollte auch sie der Mode ihren Tribut (= machte der Mode Zugeständnisse)
»Ich vernehme, daß die katholische Majestät meiner Sinnesänderung Beifall zollt [ C. F. MeyerJenatsch1,222]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zoll1 · Zöllner · zollen · verzollen · zollfrei
Zoll1 m. ‘Abgabe für bestimmte Waren beim Transport über eine Grenze, Zollstelle, Zollbehörde’, auch ‘Wegegebühr’ (vgl. Brücken-, Wegezoll). Das allen germ. Sprachen mit Ausnahme des Got. (dafür mōta, s. Maut) gemeinsame Wort ahd. (8. Jh.), mhd. zol (Genitiv zolles) ‘Abgabe’, frühnhd. auch ‘Zollstelle, -amt’, asächs. mnd. mnl. nl. tol, aengl. engl. toll, anord. (aus dem Aengl. oder Mnd.?) tollr, schwed. tull mit den Nebenformen asächs. tolna f., mnd. toln(e) m., tollen m., mnl. tolne, toolne m., aengl. toln f. ist entlehnt aus vlat. tolōnēum, spätlat. telōnēum, telōnīum ‘Abgabe, Zollhaus’, griech. telōné͞ion, telṓnion (τελωνεῖον, τελώνιον) ‘Zollstätte, Zollhaus’; zu griech. télos (τέλος) ‘Abgabe, Steuer, Zoll, Aufwand, Kosten’, eigentlich ‘Ende, Grenze, Ziel, Amt’. Man hat auch versucht, in den n-losen Formen ein einheimisches Wort germ. *tulla- zu sehen, das sich als schwundstufige Bildung im Sinne von ‘(Be)rechnung’ an die unter Zahl, zählen (s. d.) behandelte Wortgruppe anschließen würde, dann aber ganz die Bedeutung des entlehnten tolna, tolne angenommen hätte. – Zöllner m. ‘Angestellter einer Zolldienststelle’, früher (bis Anfang 18. Jh.) ‘Zolleinnehmer’, ahd. zolonāri (8. Jh.), mhd. zolnære, zolner, mnd. tolner, mnl. tollenāre, tolnere, nl. tollenaar, aengl. tolnere, tollere, entlehnt aus gleichbed. mlat. tolnearius, vlat. tolōn(e)ārius (3. Jh.), spätlat. telōn(e)ārius. zollen Vb. ‘erweisen, entgegenbringen, zuteil werden lassen’ (18. Jh.), zuvor ‘Zoll zahlen’, mhd. zollen ‘Zoll geben, zahlen, fordern, auferlegen’, in dieser Bedeutung seit dem 18. Jh. nicht mehr üblich und durch verzollen Vb. mhd. verzollen, ersetzt. zollfrei Adj. ‘keiner Abgabe für den Zoll unterliegend’, mhd. zolvrī, zollevrī.

Typische Verbindungen zu ›zollen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zollen‹.

Verwendungsbeispiele für ›zollen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gleichwohl ging er anerkennend kopfnickend in seine Ecke zurück, doch das Lob zollte er nicht seinem Gegner, sondern sich selbst. [Die Zeit, 29.06.1962, Nr. 26]
Dass es sich diesem Motto gewachsen zeigt, ist nicht das geringste Lob, das man dem Buch zollen kann. [Süddeutsche Zeitung, 05.09.2003]
Der Geschichte dennoch Verantwortung zu zollen, heißt nicht, Schuld zu übernehmen. [Der Tagesspiegel, 09.06.2002]
Damit zollt er der platonischen Art des Denkens seinen Tribut. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2756]
Für den Sammlerfleiß sollten wir ihm Lob zollen, das Programmieren sollte er lieber anderen überlassen. [C’t, 1997, Nr. 2]
Zitationshilfe
„zollen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zollen>.

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