zulassen

GrammatikVerb · lässt zu, ließ zu, hat zugelassen
Aussprache
Worttrennungzu-las-sen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zulassen‹ als Erstglied: ↗Zulassung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. zu einer Sache zulassenjmdm. den Zutritt, Zugang zu einer Sache gestatten
Beispiel:
zu dieser Verhandlung hatte man die Vertreter der Presse, die Öffentlichkeit nicht zugelassen
2.
etw. dulden, erlauben, gestatten
Beispiele:
er wollte keine Ausnahme zulassen
dieses Unrecht darf man nicht, unter keinen Umständen, um keinen Preis zulassen
sie ließ es nicht zu, dass er ihre Zeche mitbezahlte
das hättest du nicht zulassen dürfen!
übertragen etw. lässt etw. nicht zuetw. verhindert etw., etw. macht etw. unmöglich
Beispiele:
die regennasse Fahrbahn ließ kein höheres Tempo zu
diese Worte lassen keinen anderen Schluss, keine andere Interpretation zu
das lässt seine Überzeugung nicht zu
ihr Stolz ließ es nicht zu, dass sie ihn um Hilfe bat
3.
jmdn. zulassenjmdm. die amtliche Genehmigung für die Teilnahme an etw., für die Ausübung von etw. geben
jmdn. zu, für etw. zulassen
Beispiele:
jmdn. zum Studium zulassen
eine Kommission entscheidet, wer zur Prüfung zugelassen wird
ein zugelassener Fachmann für Holzschutz
jmdn. als Arzt zulassen
etw. für etw. zulassendie amtliche Genehmigung geben, dass etw. für bestimmte Zwecke verwendet werden kann, dass etw. für jmdn., etw. zugänglich ist
Beispiele:
neue Medikamente für die Therapie zulassen
diese Straße ist nur für Anlieger zugelassen
von diesem Typ wurden bisher 5 000 Wagen (für den Verkehr) zugelassen (= erhielten bisher 5000 Wagen die amtliche Genehmigung, am Straßenverkehr teilzunehmen)
ein für Jugendliche nicht zugelassener Film
Landwirtschaft eine Sau zur Zucht zulassen
4.
umgangssprachlich etw. geschlossen lassen, nicht öffnen
Gegenwort zu auflassen
Beispiele:
erst wollte er die Kiste öffnen, aber dann ließ er sie doch zu
es regnet nicht mehr, du kannst den Regenschirm zulassen
bitte, lass doch das Fenster zu!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
dulden · ↗durchlaufen · ↗durchmachen · ↗erdulden · ↗erleiden · ↗ertragen · zulassen · über sich ergehen lassen
Assoziationen
Synonymgruppe
(eine) Möglichkeit schaffen · ↗autorisieren · ↗bewilligen · ↗erlauben · ↗ermöglichen · ↗gestatten · ↗gewähren · lassen · ↗lizenzieren · möglich machen · zulassen  ●  den Weg frei machen  fig. · den Weg freimachen  fig. · ↗legalisieren  juristisch · ↗sanktionieren  fachspr.
Assoziationen
  • einem Wunsch entsprechen · einer Bitte nachkommen · in jemandes Sinne entscheiden (über)  ●  (einem) Ersuchen stattgeben  Amtsdeutsch · tun, was jemand wünscht  ugs.
Synonymgruppe
dulden · ↗tolerieren · zulassen · über etwas hinwegschauen · über etwas hinwegsehen  ●  (ich will dann) mal nicht so sein  ugs. · ein Auge zudrücken  ugs., fig. · fünfe gerade sein lassen  ugs., sprichwörtlich
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • (etwas) hinnehmen · (sich) etwas bieten lassen · (sich) etwas gefallen lassen · (sich) nicht widersetzen
  • (ist ja) nichts passiert · halb so schlimm  ●  (ist schon) vergeben und vergessen  ugs. · Schwamm drüber!  ugs., Redensart · alles gut!  ugs. · halb so wild  ugs. · ich werd's überleben  ugs. · ist schon vergessen  ugs. · kein Problem  ugs. · macht nichts  ugs. · schon okay  ugs. · war was?  ugs.
  • (jemandem etwas) nachsehen · ↗(jemandem etwas) vergeben · ↗(jemandem etwas) verzeihen · (sich) nachsichtig zeigen · Verständnis aufbringen (für) · Verständnis haben (für)  ●  ↗(etwas) entschuldigen  Hauptform · Nachsicht üben  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anklage Ausnahme Aussage Beobachter Beweismittel Deutung Fahrzeug Gericht Gesetz Handel Inspektion Interpretation Klage Medikament Revision Rückschluß Schluß Studium Vermutung Wahl Wettbewerb Zweifel es kaum lassen mehr nicht niemals nur wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zulassen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zugelassen sind sämtliche Piloten, die mehr als zwei Grands Prix absolviert haben.
Die Zeit, 09.07.2013 (online)
Diese Tiere kannst du nicht finden, es sei denn, sie lassen es zu.
Die Welt, 02.08.2005
Für manche ist es schwierig, dieses Stöhnen in der Öffentlichkeit zuzulassen.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 43
Du läßt sie am besten zu, ich erkenne sie wieder.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 05.11.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Der Inhalt der Briefe läßt doch keinen anderen Schluß zu.
Friedländer, Hugo: Ein verbrecherischer Arzt. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 30589
Zitationshilfe
„zulassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zulassen>, abgerufen am 18.09.2019.

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