zumuten

GrammatikVerb · mutete zu, hat zugemutet
Aussprache
Worttrennungzu-mu-ten
Wortbildung mit ›zumuten‹ als Erstglied: ↗zumutbar
eWDG, 1977

Bedeutung

jmdm., sich [Dativ] etw. zumutenvon jmdm., sich unbescheiden etw. Unbilliges verlangen, von jmdm., sich etw. fordern, was ungebührlich, rücksichtslos ist
Beispiele:
»ich besorge dir die Bücher.« »Das möchte ich dir nicht zumuten«
wir wollten dir keinen Logierbesuch zumuten und haben deshalb Hotelzimmer bestellt
sie muss sich schonen und kann sich [Dativ] noch keine Anstrengungen, Strapazen zumuten
er hatte sich [Dativ], seinen Kräften zu viel zugemutet
dass ich das akzeptiere, können sie mir nicht zumuten
das kannst du niemandem, keinem Menschen zumuten
einer Sache etw. zumuten
Beispiel:
der Film mutet den Nerven, dem guten Geschmack der Kinobesucher einiges zu
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mut · Unmut · mutig · muten · vermuten · vermutlich · Vermutung · zumuten · Zumutung · mutmaßen · mutmaßlich · Mutwille · mutwillig · Übermut · übermütig
Mut m. ‘Kühnheit, Unerschrockenheit’, ahd. muot ‘Kraft des Denkens, Seele, Herz, Gemütszustand, Gesinnung, Gefühl, Absicht, Neigung’ (8. Jh.), mhd. muot, asächs. mōd, mnd. mōt, můt, mnl. moet, nl. moed, afries. aengl. mōd, engl. mood ‘Stimmung, Laune’, anord. mōðr ‘Zorn, aufgeregter Sinn’, schwed. mod ‘Mut, Beherztheit’, got. mōþs ‘Zorn’ (germ. *mōþa-). Vielleicht sind vergleichbar griech. mṓsthai (μῶσθαι) ‘streben, trachten, verlangen’, lat. mōs ‘zur Regel gewordener Wille, Sitte, Brauch’ (s. ↗Moral), so daß auf eine Wurzel ie. *mē-, *mō-, *mə- ‘heftigen und kräftigen Willens sein, heftig streben’ zurückgegangen werden kann. Mut bezeichnet ursprünglich die inneren Triebkräfte, Gemütszustände, Erregungen und Empfindungen des Gefühls im Gegensatz zum Verstand. Vom 16. Jh. an setzt sich die verengte Bedeutung ‘kühne und unerschrockene Haltung gegenüber Wagnis und Gefahr’ durch. Dazu mit negierendem ↗un- (s. d.) Unmut m. ‘Ärger, Mißstimmung’, ahd. unmuot n. ‘Betrübnis’ (um 1000), mhd. unmuot m. ‘Mißstimmung, Zorn’, mnd. unmōt n. m., aengl. unmōd n. mutig Adj. ‘tapfer, kühn’, mhd. muotec, muotic ‘beherzt, kühn’, asächs. mōdag ‘zornig, aufgeregt’, aengl. mōdig ‘aufgeregt, mutig’, got. mōdags ‘zornig’. muten Vb. ‘etw. begehren, verlangen, seinen Sinn auf etw. richten’, ahd. muoten (9. Jh.), muotōn (um 1000), mhd. muoten; seit etwa 1800 als Simplex ungebräuchlich. vermuten Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’ (16. Jh.), mnd. vormōden; vermutlich Adj. ‘wahrscheinlich’ (16. Jh.); Vermutung f. ‘Annahme’ (16. Jh.). zumuten Vb. ‘unbilligerweise etw. von jmdm. verlangen’, mhd. zuomuoten; Zumutung f. (15. Jh.). mutmaßen Vb. ‘annehmen, für wahrscheinlich halten’, spätmhd. muotmāʒen ‘abschätzen’, zu spätmhd. muotmāʒe ‘Teilung nach Angemessenheit, Abschätzung’; mutmaßlich Adj. ‘der Annahme gemäß’ (18. Jh.). Mutwille m. ‘Absicht’, ahd. muotwillo ‘eigener freier Entschluß’ (8. Jh.), mhd. muotwille; mutwillig Adj. ‘absichtlich, leichtfertig’, mhd. muotwillec ‘dem eigenen (guten oder bösen) Willen folgend’. Übermut m. ‘Ausgelassenheit, Anmaßung, Überheblichkeit’, ahd. ubarmuot (um 1000), mhd. übermuot ‘stolzer, hochfahrender Sinn’; übermütig Adj. ‘ausgelassen, leichtsinnig, fröhlich’, ahd. ubarmuotīg (8. Jh.), mhd. übermüetec ‘stolz, hochfahrend gesinnt, heldenmütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
zumuten  ●  ↗antun  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) auf sich nehmen · (etwas) in Kauf nehmen · ↗(freiwillig) erdulden · (sich) (etwas) zumuten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anblick Anwender Anwohner Arbeitnehmer Arbeitslose Autofahrer Belastung Bürger Fahrgast Hörer Leser Nullrunde Publikum Rentner Steuerzahler Strapaze Umzug Vermieter Versicherte Verzicht Wähler Zuschauer man mehr muten nicht viel was zutrauen zuviel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zumuten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie reformwillig sind die Deutschen, wie viel Risiko sind sie bereit einzugehen, welche Opfer kann man ihnen zumuten.
Der Tagesspiegel, 09.12.2002
Die haben schließlich den Fehler gemacht, dem kleinen Mann von der Straße etwas zumuten zu wollen.
Die Welt, 11.10.1999
Und soll er der Mutter zumuten, ihm gegen den Vater zu raten?
Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 188
Er hätte ihr nicht zumuten dürfen, damit allein fertig zu werden.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 991
Ich mute Ihnen sogar zu, daß Sie mit diesem Messer wieder Brot geschnitten haben?
Friedländer, Hugo: Massenmörder Hugo Schenk und Genossen vor einem Wiener Ausnahmegerichtshof. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3452
Zitationshilfe
„zumuten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zumuten>, abgerufen am 20.10.2019.

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