zuneigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzu-nei-gen
Wortbildung mit ›zuneigen‹ als Erstglied: ↗Zuneigung
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben
1.
sich, etw. jmdm., einer Sache zuneigensich, etw. zu jmdm., in Richtung auf etw. neigen
Beispiele:
er hatte sich, seinen Kopf ihr zugeneigt und lauschte aufmerksam ihren Worten
die mit Schnee bedeckten Äste neigten sich dem Boden zu
ein der Sonne zugeneigter Hang
Sie beugte sich ... zu Imogen, die ihr das Ohr zuneigte [U. BecherMänner194]
übertragen etw. neigt sich seinem, dem Ende zuetw. nähert sich seinem Ende, etw. geht allmählich zu Ende
Beispiele:
der Tag, Mai, Urlaub neigt sich dem Ende zu
diese Arbeit neigt sich ihrem Ende zu
2.
jmd. neigt sich jmdm. zujmd. empfindet Zuneigung für jmdn.
Beispiele:
sie begann, sich ihm zuzuneigen
er hatte sich ihr in Liebe zugeneigt
jmd. ist jmdm. zugeneigt
Beispiel:
sie war ihm, ihnen herzlich zugeneigt
3.
jmd. neigt (sich) einer Sache, Gruppe zujmd. tendiert in seiner Auffassung, Haltung zu einer bestimmten Sache, Gruppe
Beispiele:
ich neige dieser Ansicht seit Langem zu
er neigte der Auffassung zu, dass ...
später hat er sich den Grünen, dem Sozialismus zugeneigt
die den Freuden der Tafel überaus zugeneigte Ziegenhals [FontaneTreibelI 3,324]
etw. neigt einer Sache zu
Beispiel:
diese Lehre neigt dem Positivismus zu
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neigen · geneigt · abgeneigt · Neigung · Abneigung · Neige · verneigen · Verneigung · zuneigen · Zuneigung
neigen Vb. ‘beugen, schräg stellen, senken’, reflexiv ‘zu Ende gehen’. Das schwache Verb ahd. (h)neigen ‘neigen, senken, biegen, abwenden, beugen, unterwerfen’ (8. Jh.), mhd. neigen, asächs. gihnēgian, mnl. neighen, nl. neigen, aengl. hnǣgan, anord. hneigja, got. hnaiwjan ‘erniedrigen’ (germ. *hnaigwjan) kann entweder als Kausativum zum starken Verb (im Dt. bis 15. Jh. belegt) ahd. (h)nīgan ‘sich neigen (vor), sich niederbücken’ (8. Jh.), mhd. nīgen, asächs. aengl. hnīgan, mnd. nīgen, mnl. nīghen, nl. nijgen, anord. hnīga ‘sich neigen, sinken, fallen’, schwed. niga ‘knicksen’, got. hneiwan ‘sich neigen’ (germ. *hneigwan) oder als denominative jan-Ableitung zu dem in aengl. hnāg, hnāh ‘gebeugt, demütig’, got. hnaiws ‘niedrig, demütig’ vorliegenden Adjektiv angesehen werden. Außergerm. vergleichbar ist lediglich die Wortgruppe lat. nītī (nīs(s)us, (g)nīxus sum) ‘sich stemmen, stützen, sich in der Schwebe halten, steigen, klettern’, nictāre ‘zwinkern’, cōnīvēre ‘die Augen zudrücken, blinzeln’, so daß von ie. *kneigu̯h- ‘neigen, sich biegen’ ausgegangen werden kann. Dazu stellt sich mit Labialerweiterung ie. *kneib-, wozu anord. hnipinn ‘mißmutig, biegsam’, hnīpa ‘den Kopf hängen lassen, mißmutig sein’ und wohl auch lit. knìbti ‘zusammenknicken, zusammensinken’, kneĩbtis, kneĩptis ‘sich beugen, sich versenken, sich vertiefen’. geneigt Part.adj. ‘gewogen, zugetan’, in der Fügung geneigt sein, mhd. geneiget sīn; abgeneigt Part.adj. ‘nicht willens, frei von jeder Neigung, übel gesinnt’ (17. Jh.). Neigung f. ‘Zuneigung, freundschaftliche Gesinnung’, mhd. neigunge; dann auch ‘geneigte Haltung, Lage’ (2. Häfte 16. Jh.). Abneigung f. ‘ablehnende Haltung, Widerwille’ (17. Jh.), vgl. mhd. abeneigunge ‘Gefälle’. Neige f. ‘letzter Inhalt eines Gefäßes’ (Ende 15. Jh.), vor allem in der Wendung bis zur Neige ‘völlig, restlos’ und zur Neige gehen ‘dem Ende zugehen’ (Anfang 17. Jh.); vgl. mhd. neige ‘Biegung, Senkung, Tiefe, Ende’. verneigen Vb. reflexiv ‘sich verbeugen’ (17. Jh.); vgl. mhd. verneigen ‘herabbeugen, unterdrücken’; Verneigung f. ‘Verbeugung’ (Anfang 19. Jh.). zuneigen Vb. ‘hinwenden, eine Vorliebe haben’, reflexiv ‘Sympathie empfinden, sich hingezogen fühlen’, mhd. zuoneigen ‘hinwenden’; Zuneigung f. ‘das Hingewendetsein, Liebe’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alkohol Amtszeit Ansicht Auffassung Berichtssaison Boom Demokrat Ende Epoche Extrem Flügel Geduld Karriere Laufbahn Republikaner Sichtweise Standpunkt Sympathie These Waage Zeitalter Zyklus allmählich eher gefühlsmäßig langsam mehrheitlich neigen offenbar Ära

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zuneigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach etwa fünf Stunden neigt sich jede Party ihrem natürlichen Ende zu.
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2004
Da man ohne eine Mark öffentliche Mittel auskommen will, waren beide Herren den Plänen zugeneigt.
Der Tagesspiegel, 08.06.2000
Er bekannte übrigens, dieser Auslegung erst seit kurzem - man schrieb 1988 - zuzuneigen.
Degenhardt, Franz Josef: Für ewig und drei Tage, Berlin: Aufbau-Verl. 1999, S. 75
Hier hatte überall die Musik das Übergewicht, in der »Ballade« neigt sich die Entwicklung dem andern Pol zu.
Müller-Blattau, Joseph: Form. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 13770
Sie neigt dadurch vielmehr eher einer starren und schematischen Organisation zu.
Böckenförde, Ernst-Wolfgang: Die Organisationsgewalt im Bereich der Regierung, Berlin: Duncker u. Humblot 1964, S. 167
Zitationshilfe
„zuneigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zuneigen>, abgerufen am 15.12.2019.

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