zurichten

GrammatikVerb · richtete zu, hat zugerichtet
Aussprache
Worttrennungzu-rich-ten
Wortbildung mit ›zurichten‹ als Erstglied: ↗Zurichter · ↗Zurichtung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. für einen bestimmten Zweck vorbereiten, bearbeiten, zurechtmachen
Beispiele:
ein Brett zurichten
fachsprachlich Rauchwaren zurichten (= veredeln)
fachsprachlich Bauholz zurichten (= vor dem Abbinden behauen und zuschneiden)
fachsprachlich ein Gewebe zurichten (= ausrüsten, appretieren)
fachsprachlich Leder zurichten (= das gegerbte Leder weiterbehandeln)
fachsprachlich die Druckform zurichten (= die Unebenheiten einer Druckform ausgleichen)
landschaftlich man hatte für ihn ein Zimmer zugerichtet (= zurechtgemacht, vorbereitet)
landschaftlich aus Kissen und Decken ein provisorisches Nachtlager zurichten
landschaftlich das Frühstück, Essen zurichten (= zubereiten, fertigmachen)
landschaftlich er half ihr beim Zurichten (= Decken) des Tisches
landschaftlich ein Päckchen zurichten (= packen)
2.
etw., jmdn. übel, schlimm zurichten
a)
etw. stark beschädigen, abnutzen
Beispiele:
wilde Kaninchen hatten die jungen Pflanzen übel zugerichtet
du hast deine neue Schulmappe ja schön zugerichtet
b)
jmdn. (durch Schläge) verletzen
Beispiele:
wer hat dich denn so zugerichtet?
der Löwe hatte den Dompteur schrecklich, schlimm, übel, bestialisch zugerichtet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

richten · Richtung · Richter · richterlich · Richtstätte · Richtbeil · Richtscheit · Richtschnur · Richtfest · anrichten · Anrichte · aufrichten · einrichten · errichten · verrichten · vorrichten · zurichten
richten Vb. ‘etw. Krummes gerademachen, in eine gerade Lage, Stellung, Richtung bringen, auf ein Ziel hinlenken, in Ordnung bringen, Recht sprechen’, ahd. (8. Jh.), mhd. rihten ‘recht, gerademachen, in eine Richtung bringen, aufrichten, aufstellen, in Ordnung bringen, fertigmachen, er-, einrichten, gestalten, herrschen, regieren, Recht sprechen’, asächs. rihtian, mnd. richten, mnl. rechten, richten, nl. rechten, aengl. rihtan, engl. to right, anord. rētta, schwed. räta, got. garaíhtjan (germ. *rehtjan) sind Faktitiva im Sinne von ‘gerademachen’ zu dem unter ↗recht (s. d.) behandelten Adjektiv. Richtung f. ‘das Gerademachen, gerade, aufrechte Haltung’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘Gerichtetsein, Verlauf, Wendung auf ein Ziel zu’ (Ende 18. Jh.), ‘Strömung, Bewegung’ in Kultur, Politik (Anfang 19. Jh.), abgeleitet vom oben genannten Verb in seinen verschiedenen Bedeutungen, in älterer Sprache vornehmlich an ‘herrschen, regieren, Recht sprechen’ anknüpfend, vgl. ahd. rihtunga ‘Gericht, (Ordens)regel, Leitung, Verwaltung’ (8. Jh.), mhd. rihtunge ‘Gericht, gerichtliche Entscheidung, Urteil’, asächs. richtunga, mnd. richtunge. Richter m. ‘wer über etw., jmdn. richtet, mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten Beauftragter’, ahd. rihtāri ‘Leiter, Richter’ (8. Jh.), mhd. rihtære, rihter ‘Lenker, Ordner, Oberherr, Regent, Richter’; richterlich Adj. ‘den Richter und sein Amt betreffend, auf ihm beruhend, zu ihm gehörend’ (16. Jh.). Richtstätte f. ‘Platz für Hinrichtungen’ (19. Jh.), zuvor Richtstatt (16. Jh., älter ‘Gerichtsstätte’, 15. Jh.). Richtbeil n. ‘Beil, mit dem ein zum Tode Verurteilter enthauptet wird’ (17. Jh.). Richtscheit n. Richtlatte der Bauhandwerker, mhd. riht(e)schīt. Richtschnur f. ‘gespannte Schnur zum Bezeichnen gerader Linien’ (15. Jh.), übertragen ‘Grundsatz, Leitlinie, Norm’ (1. Hälfte 16. Jh.). Richtfest n. ‘Fest nach Aufrichtung des Dachstuhls’ (19. Jh.), auch Richtessen, Richtschmaus. anrichten Vb. ‘zum Essen fertigmachen, auftragen, bereitstellen, Schaden verursachen, zustande bringen’ (14. Jh.); Anrichte f. ‘Raum, Tisch zum Zubereiten, Bereitstellen von Speisen, niedriger Schrank für Geschirr’, mhd. anrihte. aufrichten Vb. ‘geraderichten, senkrecht stellen, errichten, trösten, Mut zusprechen’, ahd. ūfrihten ‘emporstrecken’ (9. Jh.), mhd. ūfrihten ‘aufstellen, ins Werk setzen, trösten’. einrichten Vb. ‘ausstatten’ (mit Möbeln, Geräten), ‘zur öffentlichen Nutzung gründen, nach bestimmten Gesichtspunkten gestalten, passend machen’, reflexiv ‘sich den Gegebenheiten, der Lage anpassen’ (15. Jh.). errichten Vb. ‘aufstellen, bilden’ (17. Jh.); vgl. ahd. irrihten ‘auf-, einrichten’ (um 800). verrichten Vb. ‘(ordnungsgemäß) ausführen, erledigen’, mhd. verrihten ‘in Ordnung bringen, einrichten’. vorrichten Vb. ‘zurechtmachen, vorbereiten, erneuern’ (16. Jh.), mhd. vürrihten ‘hervorstrecken’. zurichten Vb. ‘herrichten, vorbereiten’, mhd. zuorihten. Aus übel zurichten (16. Jh.) entwickelt zurichten den Sinn von ‘beschädigen, mißhandeln’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedürfnis Hund Kampfhund Körper Leiche Mörder Polizist Schlag Zweck derart richten übel überfallen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zurichten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er sei bestimmt nicht stolz darauf, die eigenen Kinder so zugerichtet zu haben.
Die Zeit, 04.03.1999, Nr. 10
Eine andere Frau erschien mit ihren einst wunderschönen Haaren in der schrecklichsten Weise zugerichtet.
Tribüne, 1940, Nr. 12
Nun stand er, noch grau und gestreift und übel zugerichtet, inmitten der Zerstörung.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 112
Für sie mußte es so aussehen, als hätte Jorge ihren Sohn derart zugerichtet.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 217
In gleicher Weise muß natürlich auch das Wolkennegativ zugerichtet werden.
Croy, Otto: Fotomontage, Düsseldorf: Knapp 1952 [1937], S. 60
Zitationshilfe
„zurichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zurichten>, abgerufen am 23.04.2019.

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