zwängen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzwän-gen
Wortbildung mit ›zwängen‹ als Erstglied: ↗Zwängerei  ·  mit ›zwängen‹ als Letztglied: ↗aufzwängen · ↗durchzwängen · ↗einzwängen · ↗heranzwängen · ↗herauszwängen · ↗hindurchzwängen · ↗hineinzwängen · ↗umzwängen · ↗vorüberzwängen · ↗zusammenzwängen · ↗zuzwängen
eWDG, 1977

Bedeutung

etw., jmdn. gewaltsam irgendwohin pressen, quetschen, drängen
Beispiele:
einen Ring auf den geschwollenen Finger zwängen
seine Hand durch ein Gitter zwängen
sie hat ihre Füße in viel zu kleine Schuhe gezwängt
wir mussten unsere Kleider in den kleinen Koffer zwängen
kurz vor Kriegsende versuchten die Faschisten, alle nur irgend kampffähigen Männer in den Waffenrock zu zwängen (= zum Kriegsdienst zu zwingen)
[er] zwängte ihn in den Schwitzkasten, das heißt, er schlang seinen rechten Arm um Abels Hals und drückte den Kopf, indem er seinen Arm so fest anzog, wie er konnte, gegen seine Hüfte [Hausm.Abel244]
übertragen
Beispiele:
etw. in ein Schema, System zwängen
etw. Lebendiges lässt sich nur schwer in eine Form zwängen
sich irgendwohin zwängen
Beispiele:
sie zwängte sich in einen überfüllten Bus
er hatte sich durch den Zaun, die Hecke, die Luke, das Kellerfenster gezwängt
er zwängt sich auf den Fahrersitz
geschickt zwängte sie sich (mit ihrem Auto) in die Schlange von Fahrzeugen
wir müssen uns durch die Menschenmenge, besetzten Bankreihen zwängen
warum hast du dich in dieses enge Kleid gezwängt?
bildlich
Beispiele:
Die Sonne zwängt sich durch die Ritzen [SteinbergEinzug156]
Der starre Panzer, in den Gela sich für ihren Besuch innerlich gezwängt hatte [RauchfußLämmer298]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
drücken · ↗knautschen · ↗pferchen · ↗pfropfen · ↗pressen · ↗quetschen · ↗stopfen · zwängen  ●  proppen  norddeutsch
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Synonymgruppe
einkeilen · ↗einpferchen · ↗einzwängen · ↗keilen · zwängen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anzug Dirndl Frack Gasse Gitterstab Korsett Luke Mieder Nadelöhr Neoprenanzug Prokrustesbett Raster Ritze Rücksitz Schema Schlitz Schlucht Schulbank Sitzreihe Spalt Stuhlreihe Zeitkorsett aufzwängen durchzwängen einzwängen hindurch hindurchzwängen hineinzwängen vorbeizwängen zusammenzwängen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zwängen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Mutter versucht dem Kind den Löffel in den Mund zu zwängen.
Der Tagesspiegel, 24.07.2004
Wir zwängen uns mit hinein, reißen die nassen Uniformen vom Leib.
konkret, 1987
Michaela, in ihre alten Jeans gezwängt, trat als letzte ein.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 42
In dem Moment zwängte sich ein Touristenbus durch die rechtwinklige Kurve.
Jentzsch, Kerstin: Ankunft der Pandora, München: Heyne 1997 [1996], S. 8
Aber nein, Ihr zwängt ihn in jenes durchaus falsche willkürliche Bildnis, das Ihr noch von ihm begreift und das ihr direkt von ihm haben wollt!
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 28002
Zitationshilfe
„zwängen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zwängen>, abgerufen am 18.10.2019.

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