zwangsläufig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung zwangs-läu-fig
formal verwandt mit laufen
Wortbildung  mit ›zwangsläufig‹ als Erstglied: ↗Zwangsläufigkeit
eWDG

Bedeutung

durch die Gegebenheiten bedingt, notwendig, unabwendbar
Beispiele:
ein zwangsläufiger Prozess, Weg, Verlauf
eine zwangsläufige Fortsetzung, Konsequenz
etw. geschieht zwangsläufig
es kam zwangsläufig dazu, dass ...
mein heutiges Vorgehen ist die zwangsläufige Folge deines gestrigen Verhaltens
dem wirst du dich zwangsläufig fügen müssen
wenn du so veraltete Anschauungen hast, wirst du zwangsläufig umlernen müssen
damit ist zwangsläufig noch eine andere Sache verbunden
in dieser Position wird er zwangsläufig dieselben Schwierigkeiten haben wie seine Vorgänger
durch die Gesetzmäßigkeiten logischen Denkens bedingt
Beispiele:
aus diesen Prämissen folgt zwangsläufig ...
wenn man hiervon ausgeht, ergibt sich zwangsläufig das folgende Problem
das führte ihn zwangsläufig zu dem Schluss
gegebenen Mustern folgend
Beispiele:
eine zwangsläufige Entwicklung, Phase
etw. kommt, vergeht zwangsläufig
Damit hat sich Balzac ... eine laufende Rente geschaffen, die von Jahr zu Jahr sich zwangsläufig erhöhen muß [ St. ZweigBalzac437]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
gezwungenermaßen · ↗notgedrungen · ob jemand will oder nicht · ↗unfreiwillig · wider Willen · ↗widerwillig · wohl oder übel · zwangsläufig · ↗zwangsweise  ●  (auch) gegen ihren Willen  weibl. · (auch) gegen seinen Willen  männl. · schweren Herzens  fig. · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs., fig. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs., fig. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs., fig. · ↗nolens volens  geh., lat. · ↗zähneknirschend  ugs., fig.
Assoziationen
  • trotzig · ↗unfreiwillig · ↗ungern · ↗widerwillig  ●  schweren Herzens  ugs.
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · (sich) fügen (in) · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · (sich) d(a)reinfinden  geh., veraltet · (sich) dreinschicken (in)  geh., veraltend · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • Akt der Verzweiflung · ↗Verzweiflungstat · aus der Not geboren (sein) · verzweifelter Versuch
  • (etwas) zu tun haben · (sich) genötigt sehen · (sich) gezwungen sehen · (sich) veranlasst sehen · genötigt sein · gezwungen sein · ↗müssen · nicht anders können, als... · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (zu) · tun müssen  ●  (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh. · (sich) bemüßigt sehen (zu)  geh.
  • (es gibt) keine andere Möglichkeit · (es gibt) keinen anderen Ausweg · (sich) nicht vermeiden lassen · als einzige Möglichkeit (bleiben) · ↗alternativlos (sein) · das einzige sein, was geht · es gibt keine Alternative (zu) · es muss sein · keine andere Möglichkeit sehen · keinen (anderen) Ausweg finden · nicht anders können (und) · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (um) · nichts anderes tun können (als) · unvermeidbar sein  ●  (an etwas) führt kein Weg vorbei  fig. · (an etwas) geht kein Weg vorbei.  fig. · (etwas) geht nicht anders  Hauptform · In der Not frisst der Teufel Fliegen.  Sprichwort · die einzige Möglichkeit sein  Hauptform · es sich nicht (immer) aussuchen können  Spruch · Es muss (einfach).  ugs., Spruch · Wat mutt, dat mutt.  ugs., Sprichwort, norddeutsch · anders geht's (nun mal) nicht  ugs. · nicht d(a)rum herumkommen  ugs.
  • (seinen) Widerstand aufgeben · ↗(sich) abfinden · keine (weiteren) Einwände erheben  ●  (zu allem) Ja und Amen sagen  ugs.
  • notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · zwangsläufig · ↗zwingend  ●  ↗nolens volens  geh., lat.
  • Beugemann · ↗Bückling · ↗Ergebenheitsbekundung · ↗Kniefall · ↗Kotau · ↗Kratzfuß · ↗Selbsterniedrigung · ↗Unterwerfung  ●  ↗Unterwerfungsgeste  Hauptform · ↗Proskynese  geh., veraltet, historisch
  • durch Anwendung von Gewalt · ↗gewaltsam · unter Anwendung von Gewalt · ↗zwangsweise  ●  (durch / unter) Anwendung unmittelbaren Zwangs  fachspr., juristisch · (durch / unter) Anwendung von unmittelbarem Zwang  fachspr., juristisch · durch unmittelbaren Zwang  fachspr., juristisch
Synonymgruppe
notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · zwangsläufig · ↗zwingend  ●  ↗nolens volens  geh., lat.
Assoziationen
  • gezwungenermaßen · ↗notgedrungen · ob jemand will oder nicht · ↗unfreiwillig · wider Willen · ↗widerwillig · wohl oder übel · zwangsläufig · ↗zwangsweise  ●  (auch) gegen ihren Willen  weibl. · (auch) gegen seinen Willen  männl. · schweren Herzens  fig. · (eine / diese) Kröte schlucken (müssen)  ugs., fig. · (eine / diese) bittere Pille schlucken (müssen)  ugs., fig. · der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe (geflügeltes Wort)  geh. · in den sauren Apfel beißen (müssen und)  ugs., fig. · ↗nolens volens  geh., lat. · ↗zähneknirschend  ugs., fig.
  • (nur) eine Frage der Zeit · es gibt keinen Weg, etwas zu verhindern · nicht aufzuhalten · nicht zu bremsen · nicht zu stoppen · ↗unaufhaltsam  ●  (es gibt) keine Stopptaste  ugs., scherzhaft, fig. · Man kann nichts dagegen tun.  ugs. · man kann nichts tun gegen  ugs.
  • folgerichtig · in der Natur der Sache liegen · ↗konsequenterweise · ↗logischerweise · ↗notwendigerweise · ↗unvermeidlich · ↗unweigerlich · zwangsläufig  ●  muss so kommen  ugs.
Synonymgruppe
folgerichtig · in der Natur der Sache liegen · ↗konsequenterweise · ↗logischerweise · ↗notwendigerweise · ↗unvermeidlich · ↗unweigerlich · zwangsläufig  ●  muss so kommen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›zwangsläufig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zwangsläufig‹.

Verwendungsbeispiele für ›zwangsläufig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tatsächlich entspricht nicht jeder statistisch erfassten Tonne zwangsläufig auch eine Tonne physischen Öls.
Die Zeit, 20.04.2006, Nr. 17
Um mehr Güter herzustellen, brauchen sie jetzt nicht zwangsläufig mehr Personal.
Der Tagesspiegel, 22.11.2004
Geradezu zwangsläufig werden wir uns aufgefordert sehen, uns dem Zug anzuschließen.
Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 226
Zu einer Rüstung im modernen Sinne gehört aber zwangsläufig die gleichzeitige wirtschaftliche Rüstung.
o. A.: Einhundertachtundsiebzigster Tag. Montag, 15. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 13626
Es war eine absolute Folge zwangsläufiger Art, daß diese verboten wurde.
o. A.: Achtzigster Tag. Mittwoch, 13. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1693
Zitationshilfe
„zwangsläufig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zwangsl%C3%A4ufig>, abgerufen am 24.01.2021.

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