Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

zweifelhaft

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung zwei-fel-haft
Wortzerlegung Zweifel -haft
Wortbildung  mit ›zweifelhaft‹ als Erstglied: Zweifelhaftigkeit  ·  mit ›zweifelhaft‹ als Letztglied: unzweifelhaft

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. unsicher, fraglich
  2. 2. [umgangssprachlich, abwertend] bedenklich, fragwürdig
eWDG

Bedeutungen

1.
unsicher, fraglich
Beispiele:
es scheint mir doch zweifelhaft, ob wir diese Tour als Tageswanderung machen können
der Erfolg des Projekts war zunächst zweifelhaft
der Ausgang dieser Begegnung ist nicht zweifelhaft
diese Anschaffung ist für uns von zweifelhaftem Wert
2.
umgangssprachlich, abwertend bedenklich, fragwürdig
Beispiele:
ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, neben N zu sitzen
ein zweifelhaftes Kompliment
sie hatte sich mit zweifelhaftem Geschmack herausgeputzt
er rauchte ein zweifelhaftes (= minderwertiges) Kraut
[er] erwarb sich als Reisebegleiter verschiedener Abnormitäten und Schaustellungen einen zweifelhaften Weltruf durch seine heiteren Schwindeleien [ Kisch2,1,497]
daß Unverstandensein, Absonderung vom Elternhaus, Hinneigung zu zweifelhaften Verbindungen … sie auf die schiefe Ebene geführt haben [ Gesundheit1967]
Die Siemsen ist eine zweifelhafte (= anrüchige) Person, sie läßt sich mit anderen Männern ein [ FalladaBlechnapf65]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zweifel · zweifeln · bezweifeln · verzweifeln · zweifelhaft
Zweifel m. ‘Bedenken an der Richtigkeit (eines Sachverhalts, einer Tat, einer Entscheidung)’, ahd. zwīfal, zwīval m. n. ‘Ungewißheit, Bedenken’ (8. Jh.), mhd. zwīvel m. ‘Ungewißheit, Unsicherheit, Wankelmut, Untreue, Verzweiflung’, mnd. twīfel m. n., mnl. twīvel, twīfel m., nl. twijfel m., got. tweifls m. (oder tweifl n.) ist Substantivierung des Adjektivs ahd. zwīfal, zwīval (8. Jh.), mhd. zwīvel, frühnhd. zweifel ‘ungewiß, unentschieden, strittig, ungläubig’ (bis 16. Jh., dann durch zweifelhaft, s. unten, abgelöst) und (als ja/jō-Stamm) ahd. zwīfali, zwīvali (8. Jh.), asächs. twīfli ‘zweifelnd’. Es handelt sich bei germ. *tweifla- um ein Kompositum, dessen erstes Glied sich an ie. *du̯ei-, Kompositionsform der unter zwei (s. d.) dargestellten Grundform, anschließt. Das zweite Kompositionsglied entspricht ie. *plo-, einer Form der unter falten (s. d.) genannten Wurzel ie. *pel- ‘falten’. Zu ie. *du̯eiplo- gehören germ. *tweifla- ‘einen zweigeteilten Sinn habend’, eigentlich ‘(unsicher bei) zweifach(er Möglichkeit)’, mir. dīabul ‘zweifach, doppelt’ und zu ie. *du̯iplo- griech. diplóos (διπλόος), lat. duplus ‘zweifach, doppelt’. Schwed. tvivel und dän. tvivl sind Entlehnungen aus dem Mnd. zweifeln Vb. ‘unsicher sein, nicht von der Richtigkeit eines Sachverhalts überzeugt sein’, ahd. zwīfalen (8. Jh.), mhd. zwīvel(e)n ‘in Ungewißheit sein, wankelmütig, untreu werden, verzagen, jmdn. in Verdacht haben’, asächs. twīflian, mnd. twīfelen, mnl. twīvelen, got. tweifljan neben ahd. zwīfalōn (8. Jh.), asächs. twīflon. bezweifeln Vb. ‘mit Zweifeln bedenken, nicht an die Richtigkeit glauben’, mhd. bezwīveln. verzweifeln Vb. ‘verzagen, die Hoffnung auf Besserung verlieren’, mhd. verzwīveln ‘die Hoffnung aufgeben’. zweifelhaft Adj. ‘ungewiß, fraglich, bedenklich’, mhd. zwīvelhaft.

Thesaurus

Synonymgruppe
suspekt · undurchschaubar · undurchsichtig · verdächtig · zweifelhaft · zwielichtig  ●  krumm  ugs., fig. · mit Vorsicht zu genießen  ugs. · nicht ganz astrein  ugs. · nicht ganz lupenrein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anrüchig · fragwürdig · krumm · obskur · ominös · undurchsichtig · zweifelhaft · zwielichtig  ●  dubios  Hauptform · dunkel  fig.
Assoziationen
  • (auf jemanden) ist kein Verlass · (auf jemanden) kann man nicht bauen · (auf jemanden) kann man sich nicht verlassen · unverlässlich (sein) · unzuverlässig (sein)  ●  (ein) unsicherer Kandidat (sein)  ugs. · (ein) unsicherer Kantonist (sein)  geh., selten · (eine) treulose Tomate (sein)  ugs., scherzhaft
  • suspekt · undurchschaubar · undurchsichtig · verdächtig · zweifelhaft · zwielichtig  ●  krumm  ugs., fig. · mit Vorsicht zu genießen  ugs. · nicht ganz astrein  ugs. · nicht ganz lupenrein  ugs.
Synonymgruppe
(etwas) darf bezweifelt werden · bedenklich · diskussionsbedürftig · fraglich · strittig · ungewiss · zweifelhaft  ●  fragwürdig  Hauptform · überdenkenswert (verhüllend)  geh.
Assoziationen
  • (es) stellen sich Fragen · (es) stellt sich die Frage · Fragen aufwerfen
  • (etwas) stimmt nicht mit · es gibt Ungereimtheiten · es gibt Widersprüche · nicht zusammenpassen  ●  (etwas) ist faul (an)  ugs., fig. · (etwas) stinkt zum Himmel  ugs. · (irgend)etwas stimmt (da) nicht  ugs. · Wie jetzt!?  ugs., salopp · irgend(et)was ist da (doch)  ugs. · irgend(et)was ist da nicht in Ordnung  ugs. · wie kann das sein!?  ugs., Spruch
Synonymgruppe
hypothetisch · ungesichert · zweifelhaft
Synonymgruppe
darf man bezweifeln · fraglich · fragwürdig · kann bezweifelt werden · nicht einleuchtend · ohne Wahrheitsgehalt · unglaubhaft · unglaublich · unplausibel · zweifelhaft  ●  unglaubwürdig  Hauptform · weder Hand noch Fuß haben  fig. · (nur) heiße Luft  ugs. · das kann mir (doch) keiner erzählen(, dass ...)!  ugs., Spruch · nichts dran  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›zweifelhaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zweifelhaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›zweifelhaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es erscheint beinahe zweifelhaft, ob man dabei überhaupt auf die Idee kommt, sich richtig zu verlieben. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 363]
Ob dieser Preis noch lange gehalten werden kann, scheint mehr als zweifelhaft. [Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 388]
Ob das Parlament tatsächlich die Fähigkeit besitzt, eine politische Elite zu bilden, ist sehr zweifelhaft geworden. [Schmitt, Carl: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, Berlin: Duncker & Humblot 1991 [1923], S. 376]
Die für den nordsyrischen Raum typische Stilisierung der Plastiken läßt dies jedoch zweifelhaft erscheinen. [Stauder, Wilhelm: Sumerisch-babylonische Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1965], S. 6851]
Aber über lange Zeit hin war der Ausgang sehr zweifelhaft. [Die Zeit, 08.07.1999, Nr. 28]
Zitationshilfe
„zweifelhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zweifelhaft>.

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