zweifelhaft
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungzwei-fel-haft (computergeneriert)
WortzerlegungZweifel-haft
Wortbildung mit ›zweifelhaft‹ als Letztglied: ↗unzweifelhaft
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
unsicher, fraglich
Beispiele:
es scheint mir doch zweifelhaft, ob wir diese Tour als Tageswanderung machen können
der Erfolg des Projekts war zunächst zweifelhaft
der Ausgang dieser Begegnung ist nicht zweifelhaft
diese Anschaffung ist für uns von zweifelhaftem Wert
2.
umgangssprachlich, abwertend bedenklich, fragwürdig
Beispiele:
ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, neben N zu sitzen
ein zweifelhaftes Kompliment
sie hatte sich mit zweifelhaftem Geschmack herausgeputzt
er rauchte ein zweifelhaftes (= minderwertiges) Kraut
[er] erwarb sich als Reisebegleiter verschiedener Abnormitäten und Schaustellungen einen zweifelhaften Weltruf durch seine heiteren Schwindeleien [Kisch2,1,497]
daß Unverstandensein, Absonderung vom Elternhaus, Hinneigung zu zweifelhaften Verbindungen ... sie auf die schiefe Ebene geführt haben [Gesundheit1967]
Die Siemsen ist eine zweifelhafte (= anrüchige) Person, sie läßt sich mit anderen Männern ein [FalladaBlechnapf65]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zweifel · zweifeln · bezweifeln · verzweifeln · zweifelhaft
Zweifel m. ‘Bedenken an der Richtigkeit (eines Sachverhalts, einer Tat, einer Entscheidung)’, ahd. zwīfal, zwīval m. n. ‘Ungewißheit, Bedenken’ (8. Jh.), mhd. zwīvel m. ‘Ungewißheit, Unsicherheit, Wankelmut, Untreue, Verzweiflung’, mnd. twīfel m. n., mnl. twīvel, twīfel m., nl. twijfel m., got. tweifls m. (oder tweifl n.) ist Substantivierung des Adjektivs ahd. zwīfal, zwīval (8. Jh.), mhd. zwīvel, frühnhd. zweifel ‘ungewiß, unentschieden, strittig, ungläubig’ (bis 16. Jh., dann durch zweifelhaft, s. unten, abgelöst) und (als ja/jō-Stamm) ahd. zwīfali, zwīvali (8. Jh.), asächs. twīfli ‘zweifelnd’. Es handelt sich bei germ. *tweifla- um ein Kompositum, dessen erstes Glied sich an ie. *du̯ei-, Kompositionsform der unter ↗zwei (s. d.) dargestellten Grundform, anschließt. Das zweite Kompositionsglied entspricht ie. *plo-, einer Form der unter ↗falten (s. d.) genannten Wurzel ie. *pel- ‘falten’. Zu ie. *du̯eiplo- gehören germ. *tweifla- ‘einen zweigeteilten Sinn habend’, eigentl. ‘(unsicher bei) zweifach(er Möglichkeit)’, mir. dīabul ‘zweifach, doppelt’ und zu ie. *du̯iplo- griech. diplóos (διπλόος), lat. duplus ‘zweifach, doppelt’. Schwed. tvivel und dän. tvivl sind Entlehnungen aus dem Mnd. zweifeln Vb. ‘unsicher sein, nicht von der Richtigkeit eines Sachverhalts überzeugt sein’, ahd. zwīfalen (8. Jh.), mhd. zwīvel(e)n ‘in Ungewißheit sein, wankelmütig, untreu werden, verzagen, jmdn. in Verdacht haben’, asächs. twīflian, mnd. twīfelen, mnl. twīvelen, got. tweifljan neben ahd. zwīfalōn (8. Jh.), asächs. twīflon. bezweifeln Vb. ‘mit Zweifeln bedenken, nicht an die Richtigkeit glauben’, mhd. bezwīveln. verzweifeln Vb. ‘verzagen, die Hoffnung auf Besserung verlieren’, mhd. verzwīveln ‘die Hoffnung aufgeben’. zweifelhaft Adj. ‘ungewiß, fraglich, bedenklich’, mhd. zwīvelhaft.

Thesaurus

Synonymgruppe
suspekt · ↗undurchschaubar · ↗undurchsichtig · ↗verdächtig · ↗zwielichtig  ●  ↗krumm  ugs., fig. · mit Vorsicht zu genießen  ugs. · nicht ganz astrein  ugs. · nicht ganz lupenrein  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anrüchig · ↗fragwürdig · nicht (ganz) koscher · nicht vertrauenswürdig · ↗obskur · ↗ominös · ↗undurchsichtig · ↗windig · ↗zwielichtig  ●  ↗dubios  Hauptform · ↗dunkel  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) darf bezweifelt werden · ↗bedenklich · ↗diskussionsbedürftig · ↗fraglich · ↗strittig · ↗ungewiss  ●  ↗fragwürdig  Hauptform · ↗überdenkenswert (verhüllend)  geh.
Assoziationen
  • (es) stellen sich Fragen · (es) stellt sich die Frage · Fragen aufwerfen
  • (etwas) stimmt nicht mit · es gibt Ungereimtheiten · es gibt Widersprüche · nicht zusammenpassen  ●  (etwas) ist faul (an)  ugs., fig. · (etwas) stinkt zum Himmel  ugs. · (irgend)etwas stimmt (da) nicht  ugs. · irgend(et)was ist da (doch)  ugs. · irgend(et)was ist da nicht in Ordnung  ugs.
  • (bisher) nicht beantwortet · bleibt dahingestellt · ↗klärungsbedürftig · nicht entschieden · ↗offen · steht im Raum · ↗ungeklärt · ↗ungelöst · ↗unklar
  • (leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  ↗durchsichtig  fig. · ↗fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
anrüchig · ↗fragwürdig · ↗unangenehm · ↗unschön  ●  mit üblem Beigeschmack  ugs. · üblen Nachgeschmack hinterlassend  ugs.
Assoziationen
  • Schmuddelecke  fig.
  • (ein) Gschmäckle haben · ↗anrüchig · ↗berüchtigt · ↗berühmt-berüchtigt · ↗halbseiden · schlecht beleumundet · ↗unsauber · ↗unseriös · ↗verrufen · verschrien · von zweifelhaftem Ruf  ●  nicht ganz koscher  fig. · ↗krumm  ugs., fig. · zum Himmel stinken  ugs., fig.
  • (etwas) stimmt nicht mit · es gibt Ungereimtheiten · es gibt Widersprüche · nicht zusammenpassen  ●  (etwas) ist faul (an)  ugs., fig. · (etwas) stinkt zum Himmel  ugs. · (irgend)etwas stimmt (da) nicht  ugs. · irgend(et)was ist da (doch)  ugs. · irgend(et)was ist da nicht in Ordnung  ugs.
Synonymgruppe
darf man bezweifeln · ↗fraglich · ↗fragwürdig · kann bezweifelt werden · nicht einleuchtend · ohne Wahrheitsgehalt · ↗unglaubhaft · ↗unglaublich · ↗unplausibel  ●  ↗unglaubwürdig  Hauptform · weder Hand noch Fuß haben  fig. · das kann mir (doch) keiner erzählen(, dass ...)!  ugs., Spruch · nichts dran  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Berühmtheit Ehre Ehrentitel Elfmeter Erfolgsaussichten Foulelfmeter Genuß Geschäftspraktiken Herkunft Immobiliengeschäfte Kompliment Methoden Nutzen Praktiken Privileg Prädikat Rechtsgrundlage Reputation Ruf Ruhm Schiedsrichterentscheidungen Verdienst Vergnügen durchaus eher erscheint höchst indes zumindest äußerst

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie es sich bei den 37 verhalten hat, ist zweifelhaft geworden.
Der Tagesspiegel, 25.07.2004
Ob sie sich jedoch alle darauf verlassen können, ist zweifelhaft.
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2004
Und ob ich morgen bis fünf Uhr aushalten werde, ist zweifelhaft.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 16
Aber daß irgend etwas von alledem irgend etwas helfen wird, ist mehr als zweifelhaft.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1938. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1938], S. 118
Es ist mir oft sehr zweifelhaft, ob wir das dritte Reich lebendig überstehen werden.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1936. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1936], S. 122
Zitationshilfe
„zweifelhaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zweifelhaft>, abgerufen am 20.09.2017.

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