zwingen

GrammatikVerb · zwang, hat gezwungen
Aussprache
Worttrennungzwin-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zwingen‹ als Erstglied: ↗Zwingburg · ↗Zwingherr  ·  mit ›zwingen‹ als Letztglied: ↗abzwingen · ↗aufzwingen · ↗bezwingen · ↗hineinzwingen · ↗hinunterzwingen · ↗niederzwingen
 ·  mit ›zwingen‹ als Grundform: ↗erzwingen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn., sich, etw. zu etw. zwingenjmdn., sich, etw. mit Gewalt zu etw. veranlassen
Beispiele:
jmdn. zum Sprechen, zu einem Geständnis zwingen
die Arbeiter haben die bürgerliche Regierung zum Rücktritt gezwungen
die gegnerischen Truppen zum Rückzug zwingen
es hat dich kein Mensch gezwungen, dorthin zu gehen
dazu kann man niemanden zwingen
ich lasse mich nicht zwingen!
man muss ihn zu seinem Glück zwingen (= man muss ihn ermuntern, dass er etwas tut, was günstig für ihn ist)
sich zur Ruhe, Besonnenheit zwingen
sie zwang sich zu lächeln
ich musste mich zum Schreiben zwingen
[er] mußte sich selbst zu einer Härte zwingen, die schmerzvoll war [ApitzNackt100]
Ich kann meine Füße noch nicht zum Gehorsam zwingen [DauthendeyAcht Gesichter21]
etw. zwingt jmdn. zu etw.etw. veranlasst jmdn. mit Gewalt zu etw.
Beispiele:
Not, Hunger zwang ihn dazu
das Wetter zwang uns zur Umkehr
die Umstände zwangen sie zu diesem Schritt
die Krankheit zwang sie, lange Zeit auszusetzen
diese Tatsache zwingt mich zu der Annahme, Vermutung, dass ...
jmdn. irgendwohin zwingenmit Gewalt veranlassen, dass sich jmd. an eine bestimmte Stelle, an einen bestimmten Ort begibt
Beispiele:
Er zwingt sie in den Sessel [BöllZug96]
es ist mir gelungen, die Preußen an den Verhandlungstisch zu zwingen [MoloEin Deutscher416]
Adolf Buchholz ... als alter Kommunist ins Zuchthaus und dann in die Emigration gezwungen [BronnenDeutschland144]
bildlich
Beispiel:
gehoben jmdn. auf, in die Knie zwingen (= jmdn. unterwerfen)
übertragen
Beispiel:
in solche Verhältnisse wollt Ihr Eure Frau zwingen? [TralowKepler127]
sich zu etw. gezwungen sehensich durch Gewalt zu etw. veranlasst sehen, etw. machen müssen
Beispiele:
die Polizei sah sich zu schärferen Maßnahmen gezwungen
er sah sich zu Konzessionen gezwungen
zu etw. gezwungen seindurch Gewalt zu etw. veranlasst sein, etw. müssen
Beispiele:
wir waren zur Untätigkeit gezwungen
ich war gezwungen, sie einzuladen
im Part. Präs.
zwingendüberzeugend, einleuchtend
Beispiele:
ohne zwingenden Grund blieb er dem Unterricht fern
dazu besteht keine zwingende Notwendigkeit
Er deckte mit zwingender Logik die Gesetze auf, die die Entstehung und Entwicklung der kapitalistischen Ausbeuterordnung bestimmen [Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung2,86]
sein logischer Schluß [ist] nicht zwingend [KlausKybernetik85]
2.
nur im Part. Prät.
gezwungenunnatürlich, gekünstelt
Beispiele:
ein gezwungenes Lachen
gezwungene Heiterkeit
eine gezwungene Unterhaltung
das Beisammensein [verlief] zwar noch etwas gezwungen, doch ohne Zwischenfall [NablOrtliebsche Frauen312]
3.
umgangssprachlich etw. schaffen, bewältigen
Beispiele:
er zwang die Arbeit ganz allein
so schlimm ist das nicht mit dem Lernen, das lässt sich noch zwingen
wir konnten das Essen beim besten Willen nicht zwingen (= aufessen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(zu etwas) anhalten · ↗abkommandieren · ↗bestimmen · ↗einfordern · ↗einspannen · ↗erzwingen · ↗forcieren · in die Pflicht nehmen · ↗nötigen · ↗verpflichten · zwingen  ●  (jemanden) verdonnern (zu)  ugs. · (jemanden) vergattern (zu)  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem) ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann · (jemanden) nötigen (zu) · (jemanden) zwingen (zu) · jemanden zu etwas bringen
Assoziationen
  • (etwas) zu tun haben · (sich) bemüßigt fühlen (zu) · (sich) bemüßigt sehen (zu) · (sich) genötigt sehen · (sich) gezwungen sehen · (sich) veranlasst sehen · genötigt sein · gezwungen sein · ↗müssen · nicht anders können, als... · nicht umhinkommen (zu) · nicht umhinkönnen (zu) · tun müssen
  • (sich) bedrängt fühlen · (sich) eingeengt fühlen · (sich) genötigt fühlen (zu)  ●  (sich) in die Enge getrieben fühlen  fig. · (sich) unter Druck gesetzt fühlen  fig. · (sich) gedrängt fühlen  geh.
Synonymgruppe
(sich) zusammennehmen (und) · (sich) zusammenreißen (und) · (sich) zwingen  ●  (sich) am Riemen reißen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) aufmachen (und) · ↗(sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.
  • (all) seinen Mut zusammennehmen · (es) schaffen (zu) · (es) über sich bringen · (etwas) übers Herz bringen · (seinem) Herzen einen Stoß geben · (sich) ein Herz fassen · (sich) ein Herz nehmen (und) · (sich) einen Ruck geben (und) · ↗(sich) trauen · ↗(sich) überwinden · ↗wagen  ●  ↗(sich) ermannen  altertümelnd · über seinen (eigenen) Schatten springen  fig.
Synonymgruppe
(jemanden) große Überwindung kosten (etwas zu tun) · (sich) zwingen (müssen) · (sich) überwinden (müssen)  ●  (jemanden) hart ankommen  geh., variabel, veraltend
Assoziationen
  • (jemandem) nicht leichtfallen · ↗(jemandem) schwerfallen · ↗(sich) abmühen · ↗(sich) schwertun · Probleme haben · seine liebe Not haben (mit)
  • (jemandem) gefällt etwas nicht (an) · (jemandem) nicht gefallen · (jemandem) nicht passen · (jemandem) nicht recht sein · ↗(jemandem) widerstreben · ↗(jemanden) stören · gegen den Strich gehen · ↗missfallen  ●  (ein) Problem haben (mit)  ugs. · (jemandem) nicht schmecken  ugs., fig. · (jemandem) quer durch den Hals gehen  ugs., selten, fig. · Probleme haben (mit)  ugs. · etwas haben gegen  ugs. · nichts übrig haben für  ugs. · sauer aufstoßen  ugs.
  • (ein) schwerer Gang  ●  (ein) Gang nach Canossa  fig. · zu Kreuze kriechen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufgabe Druck Einlenken Flucht Glück Handeln Herausgabe Kapitulation Knie Landung Nachdenken Pause Prostitution Regierung Rücktritt Rückzug Sex Sparen Umdenken Umkehr Unternehmen Verhandlungstisch Wettbewerb aufzwingen bedrohen dazu er sie wir zusammenzwingen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zwingen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die japanischen Militärs zwangen sie zur Prostitution und viele von ihnen leiden bis heute daran.
Die Zeit, 26.12.2013, Nr. 52
Solange dies nicht geschehen sei, habe das Volk die ernsthafte moralische Verpflichtung, die Regierung dazu zu zwingen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1986]
Man kann einen erwachsenen Mann dazu zwingen, sich die Haare zu stutzen.
Schulz, Johannes: Erziehung zum Untertan. In: Haug, Hans-Jürgen u. Maessen, Hubert (Hgg.) Kriegsdienstverweigerer - Gegen die Militarisierung der Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Fischer 1971, S. 24
Durch die Revolution von 1848 fühlt er sich zur politischen Verantwortung gezwungen.
Requadt, P.: Stifter. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 37477
Er wäre nicht er selbst gewesen, wenn er nicht versucht hätte, das Schicksal zu zwingen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 4108
Zitationshilfe
„zwingen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/zwingen>, abgerufen am 22.02.2019.

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